
Mein Freund

Die Geschichte eines
ausgesetzten Hundes,
der wieder ein Zuhause
fand.
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Erzählung
über seine Streiche,
seine Freuden und
Leiden,
sein Heranwachsen
und sein älter
und alt werden.
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Gedanken über die
Trauer, ihn hergeben zu müssen.
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Blacky heiße ich,
in Spanien fand man mich.
Man hat mich als Hundebaby mitgenommen
und so bin ich nach Deutschland gekommen.
Heimlich im Wohnwagen hat man mich transportiert
so wurde ich nach Deutschland importiert.
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Ich bin aber immer größer geworden,
das machte meinem Herrchen Sorgen.
Einschläfern lassen wollte er mich,
da erbarmte ein anderes Herrchen sich.
Als Mischlingshündin Schäferhund-Dobermann
man trotzdem sehr zärtlich sein kann.
Etwas unterernährt ich damals gewesen bin,
das bekamen meine neuen Besitzer aber hin.
Ich war voller Dankbarkeit,
meine gesamte Lebenszeit!
Viel Liebe habe ich ihnen gegeben,
hatte auch ein sehr schönes Leben.
Bewacht hab ich alles ergeben und treu,
jeden Tag immer aufs Neu.
Wunderbare 15 Jahre waren vergangen,
da ist es mir plötzlich schlecht gegangen.
Erlöst zog ich in den Hundehimmel ein,
man war traurig und hat um mich geweint.
Das sind nun schon fast drei Jahre her,
mein Frauchen liebt mich immer noch sehr.
Aber sie soll nicht mehr traurig sein,
freiwillig ließ ich sie doch nicht allein!
Ich will noch sagen, mir geht’s im Hundehimmel gut,
wenn sie es hören könnte, bekäme sie neuen Mut!
Blacky
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Mein Freund
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Neben der Schnellstraße saß er, neben seiner Mutter, ganz klein, hilflos und noch blind, ein paar Schritte zur Straße, und er wäre überfahren worden. Irgend jemand hatte die Beiden ausgesetzt, wollte oder konnte sie nicht mehr behalten. Der Finder nahm sie, nachdem er mehrmals daran vorbeigefahren war, mit nach Hause. Aber trotz Anfrage im Rathaus und Anzeige in der Zeitung gehörten sie zu niemandem. Der Kleine wurde unser neuer Freund – der Hund. Vom Finder wurde er „Seppl“ genannt. An diesen Namen hatte er sich gewöhnt und wir nannten ihn auch weiterhin so, wenn wir bei unseren regelmäßigen Besuchen nach ihm schauten.
Ein paar Wochen später, als er seine Mutter nicht mehr brauchte, kam er zu uns. Er paßte gerade mal in meine beiden Hände und zitterte am ganzen Körper vor lauter Aufregung, als ich ihn im Auto auf dem Schoß hatte. In seinem neuen Zuhause bekam er eine flauschige Decke als Lager. Nachdem wir im Bett waren zog er Frauchens Unterwäsche vom Sessel herunter, das war sein neues Bettchen – das war kuschelig und die Nähe, die er noch brauchte. Am nächsten Morgen staunten wir nicht schlecht, als wir es sahen. Unser Hund brauchte also noch den Körperkontakt. Aber nach ein paar Tagen gewöhnte er sich auch an seine eigene Decke.
Jetzt stand ein Tierarztbesuch an. Unser Hund mußte ja auch untersucht werden. Der Tierarzt gab ihm die nötigen Spritzen und befand ihn ansonsten für gesund. Aber da war unser Seppl schön beleidigt, er war doch so wehleidig. Wir mußten ihn ausreichend bedauern und trösten. Auch sein Alter wurde anhand des Gebisses bestimmt, somit war er ca. ¼ Jahr alt. Also schnell zurück gerechnet – sein Geburtstag wurde nun auf Mitte März festgelegt – da hat Frauchen auch Geburtstag und es ist somit leicht zu merken. Die Rasse: Ein Mischling aus Schäferhund und Spitz (seine Mutter war ein Spitz-Mischling)
Er sieht auch aus wie ein kleiner Schäferhund, allerdings mit Schlappohren. Seine Beine sind auch etwas dünner, als bei einem Schäferhund. Das Fell ist sehr kurz, er ist somit recht pflegeleicht. Die Fellfarbe überwiegend dunkel, seine Pfoten hell, auch am Kopf hat er helle Bereiche. Aber am schönsten sind die großen,
braunen Augen, die so treu blicken können, es ist soviel Leben und Wärme darin.
Er ist sehr aufmerksam und gelehrig, bei jedem Wort gehen die Ohren rauf und runter und die Augen folgen jeder Geste, dabei zittert der kleine Kerl vor Aufregung.
Für uns ist es sowieso der
schönste Hund.
Und nun ging‘s ans Erziehen: jede Stunde raus zum großen oder kleinen Geschäft machen. Tagsüber war das ja kein Problem, aber in der Nacht war das schon hart, wenn alle zwei Stunden der Wecker klingelt. Alleine ging es aber auch noch nicht, er war ja noch so winzig, kam keine Treppe hinauf oder hinunter. Dabei ging‘s hinunter eher, aber nur durch Purzeln und Fallen. Wenn er nun mal schon unten war und man ging hinauf – war das ein Jaulen und Bellen. Bis sich jemand erbarmte ihn hochnahm und oben hinsetzte.
Das mit dem „Saubersein“ klappte eigentlich sehr gut und auch schnell, es gab ja hinterher auch immer eine Belohnung ein „Leckerli“.
Es war nun schwer, zu lernen, daß nicht alles für Hunde da ist. Da waren Frauchens Hausschuhe – die hatten es ihm angetan, mmh waren die gut. Die konnte man unter Knurren, Bellen und Schütteln so schön zernagen. Aber warum bekam man da immer eins auf das Hinterteil und immer hieß es „Nein“ und „Aus“, dann wurden sie einem weggenommen und standen doch wieder so griffbereit am alten Platz.
Nach ein paar Tagen standen dort neue Hausschuhe, oh war’n die schön, die hatten oben ein so schönes weiches Fell. Diese waren aber nicht für Seppl da! Einen alten bekam der Hund und nun hatte er gelernt: der gehört mir, die anderen gehören Frauchen.
Und dann die große Hilfe beim Putzen. Frauchen auf allen Vieren, neben sich den Putzeimer in der Hand den Bodenlappen. Sie wischte den Boden, zwischen ihren Beinen von hinten half Seppl indem er den Lappen im Maul hatte. Er knurrte, den Lappen zwischen den Zähnen, und zog und zog. An Putzen war da nicht zu denken. Nun gab‘s eine kleine Spielrunde und der Hund bekam einen anderen Lappen, mit dem er durch die Wohnung tobte.
Und was braucht ein Hund? Ein Halsband, eine Leine und einen Hundekorb mit einem ovalen Kissen, gefüllt mit flauschigen Federn und einem schönen bunten Überzug. - Aber was ist das für ein fremdes Ding, es bellt nicht, es bewegt sich auch nicht - und es riecht auch nicht. Oder doch?
Mal anschleichen! Es riecht doch: nach Leckerlies – also zuerst einen Vorderfuß rein, dann den zweiten und dann ein Hopser und der Korb war angenommen.
Aber nicht lange, denn draußen brummt es. Das ist doch Herrchens Auto! Also raus aus dem Körbchen und drauf mit Gebrüll! Das ist ein Jaulen, Bellen und Hochspringen – ein halber Herzinfarkt. Und dann geht’s noch mal los mit Herrchen und Frauchen ins Auto und raus ins Grüne zu einem ergiebigen Spaziergang. Was
es da alles zu entdecken gibt für einen kleinen neugierigen Hund. Was das wohl ist, diese glietschigen langen Dinger, die Menschen nennen sie Schnecken.
Schade, daß man sie nicht fressen kann.
Und diese kurzen oder langen Äste. Die kurzen die man unter Knurren und Bellen so schön schütteln und zerbeißen kann; Man kann ihnen nachrennen, wenn sie geworfen werden und sie wieder bringen, zu neuem Werfen ; oder die langen mit denen man Straßensperren machen kann. Wenn man damit auf Menschen zuläuft kann man sie so schön drüber springen lassen. - Aber schade jetzt geht’s wieder ins Auto und ab nach Hause.
Diese Spaziergänge gönnten wir uns über Monate jeden Abend und genossen sie alle Drei. Jedesmal überraschte uns der kleine Kerl mit neuen Kunststücken. Er konnte ohnehin rennen wie ein Wiesel. Zuerst auf der Ebene, dann den Abhang hinauf, so schnell konnte man fast nicht schauen, war er wieder unten. Manchmal mit der Schnauze schneller als der übrige Kerl, dann jammerte er, wenn er sich mal wieder aufgeschlagen hatte und wurde getröstet.
Im Wald gab es so viel zu entdecken, da waren große Löcher (Fuchsbauten), da mußte man intensiv schnüffeln und wir hatten Mühe unseren Hund abzuhalten, nicht hinein zu kriechen. Wir hatten entsetzliche Angst bei dem Gedanken, Seppl steckt drinnen und kommt nicht mehr raus! Da half nur Ablenkung: Stöckchen werfen.
Es war wahnsinnig wie der Hund über kleinere Büsche, Baumstümpfe und andere Hindernisse hinweg sprang und doch sicher wieder landete. Und schon stand er wieder bellend vor uns, erwartungsvoll und zu allen Schandtaten bereit. Die Augen blitzten, der Schwanz wedelte und der ganze Kerl konzentrierte sich auf jede unserer
Bewegungen, um gleich reagieren zu können.
Dann waren da die Wanderungen an Bächen entlang. Im Wasser gefiel es unserem Hund besonders gut. Einmal hüpfte er einem Stock nach und geriet ins tiefe Wasser. Wir waren ganz erstarrt vor Schreck. Herrchen hatte schon die Schuhe ausgezogen, um Seppl aus dem Wasser zu holen, aber siehe da, er konnte ja schwimmen. Aber jetzt war er durch und durch naß.
Also raus aus dem Wasser und voller Freude und Stolz zu uns und dann: brrrr, brrr, er schüttelte sich und nun hatten auch wir unsere Dusche abbekommen. Das machte er sowieso ausnehmend gern, daß er zu uns kam bevor er sich schüttelte, ob er naß war, oder ob er sich in irgendeinem stinkendem Etwas gewälzt hatte, ließ er uns daran teilhaben, Uns gefiel das natürlich gar nicht!!!
In der Herbstzeit , als es Äpfel gab, war auch Seppl nicht davon abzuhalten, diesen runden Dingern nachzurennen. Als er dann sah, daß wir sie aßen, verspeiste er auch immer einen. Er lag dabei im Gras, hielt den Apfel mit beiden Pfoten fest , nagte daran herum, bis er aufgefressen war. Wenn wir weiter gingen, packte er den Apfel und trug ihn mit sich, bis wir wieder stehen blieben und er weiter daran nagen konnte.
Die Winter mit Schnee waren auch sehr schön, wenn unser Hund im Dephin- Gang durch den Schnee fegte, oder Schneebällen nachrannte. Nach jedem Spaziergang ging‘s dann wieder ins Auto und nach Hause.
Das Autofahren war die ersten Male nicht so einfach, ach was war’s unserem Hund da schlecht. Was hat Frauchen da putzen müssen, wenn’s wieder mal passiert war.
Aber nun ist es vorbei und macht riesigen Spaß, denn der kleine Kerl will ja auch immer und überall mit dabei sein.
Was ist denn heute los! Seppl winselt und rennt herum und schaut uns an, als ob er sagen will: hilf mir doch. Also eine Decke auf die Couch, den Hund hineingewickelt, das Heizkissen dazu. So ist es schön – die nötigen Streicheleinheiten noch dazu und jetzt ist es fast schon wieder gut.
Bei uns Menschen nennt man das „Bauchweh“, so ist es, wenn man sein
Fressen immer so hinunterschlingt wie unser Hund.
Und nun zur Hundeleine: wie bändigt man einen Hund, der vor Erwartung zittert und voller Energie steckt, der rennen, springen und toben will? Auch Seppl muß lernen, daß man an der Leine nicht ziehen darf.
Was woll‘n die bloß immer, dauernd reißen die an der Leine und sagen „Fuß“. Ach ist das schwer, da muß ich ja zieh‘n wie ein Ochse und schnaufen wie eine Lokomotive. Jetzt bekomm ich auch noch mit dem Leinenzipfel eins aufs Hinterteil! Es ist wohl besser ich füg‘ mich und bleib‘ schön neben Frauchen. Ich glaub, jetzt weiß ich, wie Frauchen das will. Wenn wir draußen sind, darf ich auch wieder ohne Leine laufen, dann geht’s los. Da kann ich wieder toben und rennen. Außerdem gibt’s als Belohnung auch immer wieder ein Leckerli, auf die bin ich sowieso ganz scharf!
Mittlerweile ist unser Hund auch nicht mehr so winzig und oft schon eine „große“ Hilfe. Zum Beispiel wenn die ersten Tropfen fallen und Frauchen schnell die Wäsche abnehmen muß. Aber was ist denn das? Wo ist die abgenommene Wäsche, da waren doch Socken im Wäschekorb und BH’s von Frauchen waren auch dabei. Unser Hund, nicht groß genug um an den Wäschekorb heran zu kommen, hat es doch irgendwie geschafft, Teile der Wäsche zu klauen. Jetzt rennt er mit den Socken, BH’s und sonstigen Wäschestücken aus dem Wäschekorb durch den Garten. Er hat sie ihm Maul und schüttelt und rüttelt damit hin und her. Dazu knurrt und bellt er wie
verrückt. Er will nichts hergeben, da hilft kein Rufen. Der Hund rennt voraus und Frauchen hinterher – sicher ein Bild für die Götter, wie man so sagt.
Jetzt fängt es auch noch an in Strömen zu regnen, was Seppl ja nichts ausmacht, das kann man von Frauchen wiederum nicht behaupten. Also Schicksal nimm deinen Lauf.
Hunde haben ja auch so die Angewohnheit ihre Lieblingssachen irgendwo zu vergraben, also schnell los.
In Zukunft hat Frauchen daraus gelernt und stellt den Wäschekorb hoch genug,
damit der Hund nicht auf dumme Gedanken kommt.
Aber irgendwann war auch Lernen angesagt. Was das immer sollte mit dem „Sitz“ und „Platz“. Aber mit viel Geduld, Liebe und noch viel mehr Leckerlies gelang auch das und der kleine Kerl strotze vor Stolz. Nur lange ging das nicht, erstaunlich, daß ein so junger, kleiner Hund ein solches Energiebündel sein kann. Auch wachsam war angesagt, bei jedem Laut oder wenn sich was bewegte mußte gebellt werden.
Im März geboren war unser Hund im Herbst doch schon ein ganzes Stück gewachsen und hatte eine Menge gelernt. Vor allem war er sehr hilfsbereit.
Bei Frauchen war das Einsetzen von Steingartenpflanzen angesagt. Seppl lag artig
daneben: „Platz „ hatte Frauchen gesagt. Jetzt waren alle Pflanzen an ihrem Platz, schnell die Gießkanne zum Angießen holen. Aber was ist denn das? Da liegen ja ein paar der gesetzten Pflanzen fein säuberlich nebeneinander auf der Terrasse, und es werden immer mehr. Frauchen legt sich auf die Lauer: Unser Hund packt sie vorsichtig mit dem Maul, zieht sie aus der Erde auf die Terrasse. Es ist kaum zu glauben. Er hat also gut beobachtet.
Jetzt ist Herbst, die Wiesen sind so schön leer. Da macht Fußballspielen mit den Jungs riesig Spaß. Wenn das „Ding“ nicht so groß wäre. Aber fest zugebissen – so – jetzt paßt es, jetzt ist es platt. Nach 3 kaputten Bällen – Spielverbot – schade.
Aber mit seinen eigenen Bällen darf er noch spielen.
Winter der erste Schnee, der kleine Kerl, kaum zu sehen im tiefen Schnee. Ach, ist das eine Plage mit dem Durchkommen. Aber auch ein Spaß, man kann so schön rumtoben, scharren und in den Schnee beißen. Auch Schneebällen nachlaufen und wieder bringen macht Spaß.
Weihnachten, das Fest der Liebe. Was soll dieser komische Baum mitten in der Wohnzimmerecke? Anschleichen und zupfen. Au, da gibt’s eins hinten drauf und schon wieder heißt es „Aus“. Aber man gewöhnt sich ja an alles. Jetzt singen die auch noch, das gefällt mir aber gar nicht, da muß ich mitjaulen. Oh, da ist ja auch ein Geschenk für mich. Schnell aufreißen und gleich vertilgen!
Januar – Glatteis. Herrchen rutscht auf seinen zwei der Hund auf seinen vier Beinen. Und plumps da liegt Herrchen auf dem Rücken, der Hut daneben. ‚Au fein, den Hut geschnappt – auf den war ich schon immer scharf - und ab die Post in den tiefen Schnee, unter Knurren und Bellen wird er geschüttelt. Nein, nein den geb ich nicht mehr her, auch nicht auf „Fuß“ und „Aus“. Herrchen muß nun zähneknirschend selber in den tiefen Schnee und den Hut holen. Oh, das gibt Schimpfe.
Es ist März, der erste Geburtstag. Was ist denn das, eingepackt in buntem Papier. Das muß ich wissen. Also mit den Pfoten festhalten mit den Zähnen reißen – au fein – das sind ja neue Leckerlies, das ist ja wie Weihnachten.
Erdbeerzeit. Was macht Frauchen da ständig im Garten. Das muß ich erkunden. So rote Dinger, die müssen schmecken. Mal mit Betteln probieren – hat geklappt – schmeckt gut. Jetzt geht’s ans Selberpflücken, aber – gut beobachtet, man glaubt es nicht - nur die roten Beeren, wie die Menschen.
Seppl hat nun auch gelernt, daß er im Garten nichts verloren hat. Nur auf den Wegen darf man laufen. Auch das Graben in den Beeten ist verboten, er bekam eine eigene Ecke, in der er graben darf. Dort sind schon riesige Löcher entstanden, in die er auch schon verschiedene Sachen – „Beute“ - verbuddelt hat.
Frauchen muß arbeiten und sperrt Seppl ins Kinderzimmer. Ich will aber mit, zu spät das Auto ist fort. Ah, das Fenster ist offen, ein Sprung und nun hinterher.
Frauchen sitzt im fahrenden Auto: “ Was rennt denn da hinten, sieht aus wie unser Hund. Das ist ja unser Hund!“
Endlich hat sie mich gesehen, die Autotüre ist offen und schnell hinein. So ich passe nun auch auf alle Akten und Ordner auf. Das macht er wirklich, es darf sich niemand dem Auto nähern. Sofort wird gebellt und geknurrt, sollte jemand auch nur den kleinen Finger in den Spalt des geöffneten Fensters stecken, ich glaub Seppl würde zubeißen.
Und jetzt ist Kirschenzeit. Auch die mag ich, ich mag alles was Herrchen oder Frauchen mögen.! Aber die spucken immer etwas aus, mal probieren. So auch das ist geschafft.
(Man würde es nicht glauben, wenn man’s nicht gesehen hätte, der Hund spuckt die Kerne aus wie ein Mensch).
Jetzt im Sommer ist es auf unserer Terrasse unter der Markise besonders schön. Die Liege aufgestellt und ..... Aber das wird nichts mit dem gemütlich liegen, der Hund war schneller, ein hops und er ist drauf. Frauchen legt sich dazu, aber unser Seppl macht sich breit und rückt keinen Zentimeter.
Eine zweite Liege muß her! Es kann auch eine preiswertere sein. Aber unser Hund hat bald erkannt, welche weicher und bequemer ist.
Genauso ist es im Wohnzimmer auf dem Sofa und auf den Polstersesseln, da ist er auch immer die Hauptperson und man muß ihm oft genug sagen, daß sein Platz im Korb ist.
Aber er möchte auch immer bei uns sein, wo es auch immer ist. Dann möchte er gestreichelt werden und brummt und grunzt genüßlich dabei.
Jetzt im Herbst sind die Spaziergänge besonders schön, wenn das Laub so schön gefärbt ist. Unser Bach, an dem wir oft entlang gehen plätschert munter. Wie immer muß unser Hund drin rumplantschen! Aber was ist das, es färbt sich alles rot und Seppl jammert. Schnell nachgeschaut! Seppl hat sich den Fußballen aufgeschnitten. Ausgerechnet diesmal sind wir zu Fuß unterwegs. Frauchen trägt den Hund, jetzt sind ihre Kleider auch schon verschmiert. Wie schwer so ein Hund werden kann!
Sie muß rasten, aber Gott sei Dank, jetzt sind wir wohlbehalten zu Hause angelangt. Nun wird der Hund verarztet und der Fuß wird verbunden, damit er nicht alles verblutet. Das ist aber nicht so einfach, denn der Verband stört ihn und dauernd reißt er dran rum. Da muß man Strenge walten lassen und ihn ständig im Auge behalten.
Am Abend hat das Bluten aufgehört und nach ein paar Tagen Schonung ist die Wunde fast ganz zugeheilt.
Es weihnachtet wieder und Seppl holt mit Frauchen für sein Herrchen ein Geschenk.
Frauchen hat‘s ihm gelernt. Es geht raus zur Haustüre und wenn der Hund Münzgeld klimpern hört, weiß er schon, wo es hingeht. Er rennt voraus, über die Straße, in die nächste Nebenstraße. Dort hängt ein Zigarettenautomat, darunter ein Mäuerchen. Ein Hopser und Seppl ist oben und zittert vor Erwartung.
Frauchen steckt das Geld in den Automaten und zieht eine Packung HB heraus. Jetzt heißt es „Sitz“ und dann ein Schnapper und unser Hund hat die Zigaretten im
Maul und ab geht die Post in Richtung nach Hause. Ums Haus herum zur Terrassentüre. Dort bellt er und wird eingelassen und dann läuft er im Wohnzimmer
herum, die Zigaretten im Maul, er macht sich ganz groß, läuft im Kreis, nach rechts nach links, jetzt heißt es „Aus“! Aber er will die Packung zuerst nicht hergeben, will noch ein paar Mal gebeten werden, letztendlich klappt das auch noch und dann sitzt er ganz stolz da und bekommt zur Belohnung sein Leckerli.
Einmal, beim Zigarettenholen, es war schon dunkel, ist ihm eine Katze begegnet, die mußte auch noch verjagt werden. Da dachten wir, jetzt sind die Zigaretten futsch, aber nein, trotz lautem Bellen und einem Ausflug in die nächste Nebenstraße hat er sie heil heimgebracht.
Das Prinzip mit „Sitz“ und dem „Schnapper“ hat dann auch beim Briefträger geklappt. Den stellte er jeden Tag, wenn er ihn erwischte und jagte ihm einen Schrecken ein, durch Knurren und Bellen. Nun hieß es „Brief“ und er bekam die Zeitung ins Maul, hiermit akzeptierte er auch den Briefträger. Gewußt wie.
Jetzt ist Seppl schon 2 ½ Jahre alt und darf auch mit in Urlaub. Herrchen stopft das Auto voll. Der Hundekorb ist schon drin, Futter – Fleischdosen - sind auch schon eingepackt. Das Regenhandtuch zum Abtrocknen wenn es regnet liegt frisch gewaschen im Körbchen. Dann kann’s ja losgehen.
Die Fahrt dauert ja ewig. Ah, endlich Pause, schnell raus zum Geschäftchen
machen.
Nun sind wir am Ziel, aber da kenn‘ ich mich ja gar nicht aus. Es sind so viele hohe Dinger um uns rum, Herrchen nennt sie Berge.
Nach dem Auspacken, der Korb hat auch schon seinen Platz, geht’s auf Tour. Oh, ist das fein so viel zum Schnuppern und erkunden und so viele andere Hunde
Da muß man doch jaulen und bellen. So jetzt eine Rast, was meckert denn da, ach, Ziegen sagt Frauchen, und das stinkt. Da wird Käse gemacht. Nach einer Rast und einer Stärkung, der Käse schmeckt uns allen Dreien ausgezeichnet, geht es auf den Rückweg.
Wieder in der Pension und da steht ja mein Lieblingsfressen. Draufgestürzt – Wasser hinterher und ab ins Körbchen. Aber man hat ja keine Ruhe. Noch mal ins Auto: Herrchen und Frauchen haben ja auch noch Hunger. Der Hund muß im Auto bleiben, das ist ihm aber egal, dann hat er wenigstens seine Ruhe. Nach der Heimfahrt zur Pension darf Seppl noch mal „pinkeln“, dann geht’s ab in den Korb und es wird geschlafen.
Aber auch nachts muß man als Hund aufpassen, wehe es regt sich was im Haus. Bellen darf ich nicht, da bekomm ich eins hintendrauf, das hab ich in der ersten Nacht lernen müssen, aber knurren muß ich schon, muß doch zeigen, daß
ich wache. Das hat unsere Pensionswirtin sehr beeindruckt, wer es auch war und wann auch immer unser Seppl hat es wahrgenommen. Der große Sohn unserer Pensionswirtin dachte, er kann unseren Hund austricksen, indem er leise über das Treppengeländer nach oben turnte, aber weit gefehlt. Am Schluß meinte er, ich kann
es machen wie ich will, er hört mich immer. Ich hör ihn dann hinter der Türe
schnüffeln und knurren.
Am nächsten Morgen geht’s auf große Tour. Herrchen hat den Rucksack auf dem Rücken. Es geht steil bergauf. Da muß ich doch gleich mal vorausrennen. Aber wo bleiben die denn, also noch mal zurück und gebellt: Auf, auf! Frauchen denkt ich hab
Durst, Feldflasche raus, aber das mag ich nicht, die Pfütze dort ist viel besser für mich. Daß die das Ding überhaupt mitschleppen, ich bin doch ein schlauer Hund, ich find mein Wasser. Es wird immer steiler, aber es sind noch mehr Menschen unterwegs.
Einer sagt: Ach der arme Hund, der kommt da ja nicht rauf. Was heißt hier „armer Hund“ ein Hopser und ich bin oben, denn da oben ist ja ein interessanter Pudel.
So geschafft, jetzt sind wir ganz oben. Da ist ein großes Kreuz und so riesige schwarze Vögel wollen alles haben was den Menschen vom Vesper runterfällt. Weg da, das gehört aber mir.
Nach Herrchens und Frauchens Rast, ich mach ja keine, hab keine Zeit, muß alles auskundschaften, geht’s wieder bergab. Aber das dauert bis die kommen, da muß ich immer wieder zurück und bellen. Ah, ein Schneefeld, ach ist das schön. Rumtoben und in den Schnee beißen.
Da kommt eine Hütte. Herrchen stellt den Rucksack hin, den Fotoapparat daneben. Ich werde drangebunden, das heißt:: Seppl aufpassen auf die Sachen. Das mach ich
doch auch glatt, wehe es kommt einer zu nahe, dann gib ich sofort Laut, knurre und im Notfall beiße ich auch
Zum Abendessen geht’s heute zu einer anderen Hütte, die wir zu Fuß erreichen können. Ein paar Häuser von der Herberge entfernt kommt so ein komisches Tier mit zwei Hörnern. Frauchen sagt „Gemse“ dazu. Diese Gemse will doch scheinbar mit mir spielen. Sie rennt mir hinterher, aber ich gib Gas, mich bekommst du nicht. Den Berg rauf, den Berg runter. Jetzt sind wir schon ziemlich weit von unserer Herberge weg, aber sie ist noch immer da. Das macht Spaß.
Da eine Bank, da renn ich, klein wie ich bin, drunter durch, da kann sie nicht mit. Denkste, die springt im hohen Bogen drüber und weiter geht’s.
Mittlerweile ist uns das nicht geheuer. Geschafft da ist unsere Hütte, wir sind die letzte Strecke alle zusammen gerannt und haben dadurch ein bißchen Terrain gewonnen. Frauchen hat mich ganz schnell an die Leine genommen und Herrchen stellt sich zwischen Gemse und uns. Schnell die Treppen zum Eingang rauf, die Türe auf und rein. Die kommt doch tatsächlich auch die Treppen hoch und will mit in die Hütte, schnell die Türe zu.
Was sagt Frauchen, indem sie zum Fenster rausschaut? Geben Sie der Gemse da draußen doch auch ein Bier!
Anmerkung: Am nächsten Tag beim Frühstück klärt uns unsere Pensionswirtin auf. „Was, der hat mit der „Gams“ gspielt, des is a Hundekillerin. Die hat erst vor zwei Wochen einem Hund den Bauch aufgschliltzt“.
Die Gemse ist ein paar Häuser weiter auf einem Bauernhof zu Hause. Sie war als junges Tier verletzt und die Bauersleute haben sie aufgezogen. Sie ist sehr zahm, nur auf Hunde hat sie es abgesehen.
So nun ist der Urlaub zu Ende. Es wird alles eingepackt und es geht wieder heim.
Daheim warten die Buben, mit denen man so schön rumtoben kann.
Heute ist ein Handwerker im Haus, das hat Seppl natürlich längst bemerkt und wartet auf einen günstigen Augenblick. Was nicht hergehört muß verjagt werden. Raus zur Wohnungstüre, die Treppe runter mit Gebrüll – schade – hat nicht geklappt. Der Handwerker konnte sich gerade noch ins Zimmer retten und die Türe hinter sich zuwerfen. Und nun springt unser Hund an der Türe hoch, bellt und knurrt. Der Handwerker ist eingesperrt und traut sich nicht heraus, bis er von Frauchen aus seiner mißlichen Lage befreit wird.
Es ist Wahnsinn beim Spazierengehen wie viele Hunde es da gibt. Große, kleine und mittelgroße, so wie ich. Aber da kommt ein größerer gerannt und packt mich. Ich werde hin und her geschüttelt. So endlich bin ich wieder frei, jetzt wehr ich mich, aber Frauchen läßt mich nicht, sie faßt nach meinem Halsband. So nun hat der andere Hund zugebissen und sie blutet, selber schuld. Frauchen zieht eine Blutspur bis nach Hause, hoffentlich ist der Hund gegen Tollwut geimpft.
Beim letzten Spaziergang wollte „Bobby“ – das ist ein Dackel – mich beißen. Er hing an meinem hinteren Fuß und ließ nicht mehr los. Frauchen hielt mich fest und Bobbys Frauchen hielt den Dackel und die anderen Frauen, die auch mit ihren Hunden dabei waren, haben Bobbys Schnauze aufgemacht und meinen Fuß rausgeholt. Gott sei Dank ist nichts passiert. Einige Zeit später erfuhren wir, daß Bobby eingeschläfert werden mußte, da er zu aggressiv geworden war.
Jetzt ist es Herbst. Die Gummistiefel und der Anorak werden eingepackt, der Hund darf natürlich auch mit. Es geht in den Garten, Frauchen will die Kartoffeln ausgraben. Seppl sitzt daneben. Frauchen hackt mit dem Karst, plötzlich wimmelt es da: lauter kleine Mäuse! Oh, drauf mit Gebrüll, mmmh das schmeckt! Aber Frauchen schimpft und schreit „Aus“.
Aber das hilft nichts, unser Hund erstickt fast vor lauter Gier, es kracht beim Zubeißen und das Blut läuft ihm aus der Schnauze, aber alle
Mäuschen hat er doch nicht erwischt. Frauchen schüttelt sich vor Ekel.
Und wieder ist es Winter und Hasen jagen macht Spaß! Die haben im Garten ja auch nichts verloren.
Besuch bei Seppl’s Mutter: „Susi“ wurde sie vom Finder genannt, der die Hündin behalten hat. Aber sie will von ihrem Sohn nicht mehr viel wissen, sein Gebell und Gehopse regen sie auf. Sie knurrt und schnappt auch nach ihm, was für eine Enttäuschung!
Wieder ist Weihnachten und ihm Wohnzimmer auf dem Tisch duftet es. Aber Frauchen hat „Nein und Aus“ gesagt. Aber die Verlockung ist größer, die Weihnachtsplätzchen riechen zu gut. Also rauf auf den Sessel und auf den Tisch. Aaah, das schmeckt! Frauchen kommt, schnell runter und in die Ecke verkrochen, die Ohren angelegt. Natürlich hat sie es gleich bemerkt und jetzt gibt’s Haue, da hilft kein Winseln und Jaulen. Das mach ich nie mehr!!!
Es ist Frühling, draußen blüht es wieder und Frauchen hat Blumen gepflückt. Sie riecht. Ich will auch und darf auch. Frauchen sagt „Blumi“. Ich versteh ja auch alles! Ich bin ein schlauer Hund!
Die Jungs spielen mit mir, sie lassen mich Stöckchen holen und drüber springen. Hochspringen und drunter durchkriechen. Frauchen sagt: Ihr bringt ihm nur Dummheiten bei! Das find ich nicht, es macht riesig Spaß, nur weiter so! Wenn’s ums Toben geht bin ich immer dabei.
Nur am Spielplatz da gefällt es mir nicht mehr, Die Rutsche runter, das war etwas
zu schnell , da reiß ich aus und renne heim. Mittlerweile find ich den Weg auch allein. Zuhause bekomme ich wohl Schimpfe, wenn ich wieder einmal ausgerissen bin, aber
das nimm ich in Kauf.
Es ist Urlaubszeit und wir sind wieder in den Bergen, jetzt kennt sich
Seppl schon aus. Morgens vor dem Frühstück darf er kurz Gassi gehen mit Frauchen. Dann bleibt er auf dem Zimmer. Aber nach dem Frühstück geht es jeden Tag auf Tour. Das macht Spaß! Aber heute ist es schwierig, denn kaum auf dem Berg, kommt schon der Nebel! Der Weg zurück wäre weiter und noch schwieriger, denn von dort steigt der Nebel. Also schnell vorwärts immer der roten Markierung nach.
Der Nebel ist aber schneller als wir und hat uns eingeholt und man kann keine Markierungen mehr sehen. Aber unser Superhund ist ja da, er schnuppert den Weg und läuft - angeleint – munter vor uns her. Seppl wurde an die Leine genommen, weil wir dachten, daß wir ihn sonst verlieren, dabei ist er uns so zur Hilfe geworden. Plötzlich hört der Weg auf, vor uns nur Schnee und natürlich auch keine Markierung, ob unser Seppl das schafft? Da tauchen zwei Männer vor uns auf, die sind von der Bergwacht und haben einen großen Schäferhund dabei. Die sagen uns wir sollen
den Spuren ihres Hundes folgen und das schnuppert unser Seppl ja auch wieder. Das Schneefeld ist riesengroß und plötzlich hören wir Rufen und Schreien: Hallo, hallo! Rechts von uns sehen wir etwas Dunkles, das sind ja Menschen mindestens 15 Männer und Frauen. Sie kommen zu uns, rüber und wissen den Weg nicht mehr. Sie wollen in die andere Richtung und nach dem Tipp, den Hundespuren zu folgen, sind sie glücklich, daß wir ihnen helfen konnten. Wir gehen weiter, aber es ist so weit! Jetzt haben wir Angst, uns verlaufen zu haben, aber unser Hund marschiert immer weiter, und plötzlich sehen wir etwas Dunkles vor uns, es sind Felsen. Da ist auch schon die erste Markierung, Gott sei Dank!
In der nächsten Bergstation bekommt unser Seppl eine dicke Belohnung, ein Würstchen, das er auch gleich verschlingt.
Da es jetzt in Strömen regnet wird per Funk ein Bus rauf beordert, denn wir sind nicht die Einzigen, die sich dorthin gerettet haben. Der Busfahrer hat den Bus angeheizt, es ist schön warm drinnen. Er läßt auch den Motor laufen, damit es warm bleibt. Aber unser Hund bockt, die vielen Menschen und das Motorengebrumm, er hat Angst. Er drückt sich an Frauchens Beine und ist nicht zu bewegen einen Schritt zu gehen. Nun wird er hochgenommen und im Bus sitzt er zitternd zwischen unseren Beinen und wird gestreichelt. Langsam beruhigt er sich, es siegt doch das Vertrauen, das er zu uns hat.
Der Bus bringt uns sicher nach unten zu unserem Auto, obwohl es während der Fahrt nicht so aussieht. Die Bergstraße nach oben zur Station ist für so große Fahrzeuge nicht gedacht, es geht sehr eng zu und manchmal denken wir, hoffentlich stürzen wir nicht ab. In manchen gefährlichen Kurven können wir unsere Angstschreie kaum unterdrücken. Unten haben wir alle weiche Knie und steigen erleichtert aus, aber erst, nachdem unser Busfahrer ein Trinkgeld bekommen hat, das hat er sich auch verdient.
Jeden Tag werden ausgiebige Ausflüge gemacht, oft sind wir 6 – 8 Stunden und manchmal sogar länger unterwegs. Wo unser Hund die Energie hernimmt, nach Stunden, wenn wir müde irgendwo Halt machen, rennt er immer noch ohne Rast und Ruh herum.
Von manchem Gipfeln kann man das Tal nur zu Fuß oder per Sessellift erreichen.
Der Lift ist uns aber mit Hund doch zu gefährlich, obwohl uns unser Hund absolut vertraut und auch schwierige Situationen mit uns schon gemeistert hat. Also schicken wir Herrchen, der den Berg runter mit den Beinen Schwierigkeiten hat, mit Gepäck im
Sessellift hinunter. Unser Seppl ist mit Frauchen dann zu Fuß unterwegs, wobei er auch nicht von ihrer Seite weicht, er muß ja aufpassen. Jeder andere Wanderer, der uns zu nahe kommt wird angebellt. Das Wiedersehen unten ist dann eine riesige Freude.
Jeden Abend nach dem Abendessen, es ist da schon immer dunkel, halten wir mit dem Auto noch einmal, dann darf unser Hund ein letztes Mal sein Geschäftchen machen. So auch diesen Abend. Aber scheinbar hat er diesmal eine Kuh gestört, die rennt auf einmal hinter Seppl her und läßt sich nicht abschütteln. Er ist wohl schneller und das Spiel gefällt ihm, aber uns nicht, denn sie hat es auch auf uns abgesehen! Jetzt sehen wir auch den Grund, sie hat ein Kalb bei sich, das sie beschützen will.
Aber es hilft alles nichts, auch gutes Zureden nicht, wir müssen uns was ausdenken.
Wir teilen uns, die Kuh läuft Frauchen hinterher, Herrchen bindet unseren Hund schnell an und verschwindet ins Auto. Frauchen versteckt sich in einem dicken Busch und das Tier beruhigt sich wieder. Gott sei Dank! Das war ein Schreck in der späten Abendstunde.
Aber auch dieses Jahr geht der Urlaub zu schnell vorüber, wir verabschieden uns von unserer Pensionswirtin und fahren wieder heim.
Jetzt ist unser Hund schon 4 Jahre alt und ein Schlitzohr sonders gleichen. Er hat schon mitbekommen, daß uns manchmal beim Essen oder Kochen was runterfällt. Es braucht nur jemand „runtergfallen“ zu sagen, so steht er auf der Matte und sucht, dann ein Schnapper und weg ist es. Natürlich steht er jetzt, wenn gegessen wird, auf
„Hab
Acht“. - Besuch ist da, es wird gegrillt,
das Steak stürzt ab und obwohl frisch vom Grill und wahnsinnig
heiß, ist es ein Zubeißen und unser Hund rennt, um es in
Sicherheit zu bringen. In eine Gartenecke verkrochen wird das Fleisch
genüßlich verspeist, da hilft auch kein Zetern mehr.
Somit
sind wir bei einem anderen Problem, dem Betteln. Unser Seppl kann sich
hinsetzen, wenn gegessen wird, und die treuen Augen blicken
erwartungsvoll, bis sich jemand erbarmt. Dann geht das Ganze wieder von
vorne los. Entweder es führt zum Erfolg, oder man muß ihn
lange genug ignorieren.
Jetzt im Spätherbst gefallen dem Hund die Spaziergänge besonders gut. Er hat sich da nämlich etwas angewöhnt, das uns gar nicht gefällt. Die Bauern haben wieder einmal „Schwemm-Miste“ ausgefahren und das stinkt. Aber das ist scheinbar bei Hunden besonders beliebt. Also rein ins Vergnügen und drin herumgewälzt. Bis
Frauchen
schreit ist es schon zu spät. Diesmal wird unser Seppl schon
vorher gewarnt, aber ein Augenblick der Unachtsamkeit genügt und
schon ist es wieder passiert. Aber diesmal hat Frauchen eine neue
Taktik.
Zu
Hause angekommen, wird die Haustüre gar nicht erst aufgeschlossen.
Frauchen greift sich die nächste volle Gießkanne und drauf
auf Seppl! Oh, das gefällt ihm gar nicht! Er schüttelt sich - das mag ich nicht -! Was bringt Frauchen
denn jetzt! Igitt Igitt, das ist ja Spülmittel ! Sie schüttet
es auf mich und nun mit der Bürste, das gefällt mir auch
nicht und nun noch Wasser hinterher!
Ohh, ich armer Hund! Ich glaub, ich laß es
das nächste Mal doch lieber sein! Strafe muß sein!
Hoffentlich merkt sich Seppl diese Lektion. Leider führte es nicht
zu einem dauerhaften Erfolg.
Frauchen
liegt im Bett, warum steht sie nicht auf. Herrchen sagt, sie ist krank.
Komm Seppl wir gehen „Gassi“, aber Seppl will nicht. Er liegt neben
ihrem Bett, will nichts fressen und auch nichts saufen. Mit seinen
treuen Augen schaut er sie an, will sagen: komm,
steh auf! Jetzt springt er aufs Bett, legt sich am Fußende hin,
aber sie regt sich nicht.
So geht
das den ersten Tag, abends war der Hund nur kurz draußen, sein
Geschäftchen machen, gefressen hat er nichts, nur einmal etwas
gesoffen. Frauchen ist wie seine Mami, sie war immer da, von Anfang an,
als er noch ganz klein war. Herrchen mußte ja immer fort ins
Geschäft. Aber sie war da, hat ihm geholfen, wenn
er
etwas nicht konnte, war mit ihm Gassi, gab ihm das Fressen, hat ihn
getröstet und gepflegt, wenn er krank war. Deshalb muß er
sie jetzt auch behüten und ihr helfen,
auf seine Art. Den zweiten Tag, sie steht immer noch nicht auf, er macht Männchen er jault und führt sich auf, um ihr zu imponieren. Alles hilft nichts. Aber am dritten Tag
geht es
Frauchen schon etwas besser, sie spricht mit Seppl und er ist ganz
glücklich, jetzt kann er auch wieder fressen, die Welt ist wieder
in Ordnung.
Es ist
wieder Winter und der Hund hat ein ganz dickes Fell bekommen. Frauchen
kommt mit der Bürste und dem Kamm. Aber das mag ich doch nicht,
denkt Seppl und schon ist er weg. Aber es hilft kein Ausrücken,
wenn man gerufen wird muß man kommen sonst gibt’s Zoff. Und nun
geht’s los, zuerst die Bürste. Mmm, das geht ja noch, tut nicht
mal weh, man könnte sich daran gewöhnen. Aber jetzt kommt der
Kamm an die Reihe. Au, das reißt, das mag ich nicht, merkt sie
das denn nicht? Sie sagt, gleich sind wir fertig und tatsächlich
es ist geschafft.
Es ist
wieder Frühjahr geworden, es hat gegossen beim Spazierengehen.
Frauchen hat Seppl zu Hause schön abgetrocknet, er hat da sein
eigenes Handtuch, und das Abtrocknen genießt er sichtlich. Er
brummt, er grunzt wie ein Schwein und drückt sich richtig in das
Tuch hinein. Dann rennt er weg, wälzt sich am Boden, schüttelt
sich –
das sieht Frauchen gar nicht so gern – und nun will er weiter
abgetrocknet werden. Zum Schluß bekommt er noch die gewohnten
Streicheleinheiten und dann
zieht
er sich zufrieden zurück.
Aber
was macht Frauchen schon wieder? Das macht sie immer im Frühling,
wenn ausgesät wird. Jeden Morgen das selbe Spiel, sie hat da so
Schalen, da ist Erde drinnen, die trägt sie jeden Morgen auf die
Terrasse und abends werden sie wieder ins Haus gebracht.. Ah, da
muß ich gleich helfen. So, geschafft! Aber die Erde ist
rausgefallen und nun schimpft Frauchen. Man kann aber auch nichts recht
machen!!!
So wie
mit dem Gummibaum, da wollte ich auch helfen, die Erde rausbuddeln, die
war
schon so lange drinnen und dann bekam ich eins hinten drauf. Manchmal
sind die Menschen doch recht undankbar.
Heute
geht’s einkaufen, aber das gefällt mir nicht, die vielen Leute,
immer muß ich mich klein machen, daß mich niemand tritt.
Gott sei Dank Frauchen hat mich hochgenommen und über die Schulter
gelegt, da kann ich wenigstens etwas sehen
und
niemand kann mich mehr treten. Endlich sind wir wieder im Auto und es
geht nach Hause.
Aber zu
Hause ärgert Herrchen den Hund. Auf den eingekauften Sachen kleben
immer solche Etiketten, er nimmt sie ab und klebt sie unserem Hund auf
den Kopf, den Rücken und den Schwanz. Das kann er gar nicht
brauchen, er springt herum wie ein Wilder und versucht, die Kleber mit
den Pfoten abzustreifen. Die meisten bringt er
weg,
beim Rest wird etwas nachgeholfen. Das Spiel gefällt ihm, er bellt
wie verrückt und verlangt „Zugabe“. Herrchen bindet ihm ein Band
um den Hals, Seppl reißt so lange mit den Pfoten daran, bis die
Schleife aufgeht. Dann schnappt er sich das Band und rennt damit durch
die Wohnung, ein paar Minuten später ist es zerrissen. Der Hund
hat eine gewaltige Kraft in den Zähnen.
Jetzt
wird ein anderes Band um seinen Schwanz gebunden. Unser Hund dreht sich
im Kreis und „zack“ hat er die Schleife aufgemacht und ist wieder
„Sieger“.
Genauso
reagiert er, wenn Herrchen ihn am Ohr ziehen will. Man braucht nur
„Ohrchen“ zu sagen, dann bellt er und hüpft wie ein Gummiball.
Diese Spiele gefallen ihm. Die Ausnahme ist Frauchen, sie darf seine
Ohren zwirbeln, das duldet er – niemand weiß warum.
In unserem großen Garten gibt es immer eine Menge zu tun. Heute ist es sehr warm, für Ende April fast zu warm. Frauchen setzt irgend etwas ein, sie nennt es Dahlien. Da gräbt sie so große Löcher, aber das kann ich auch! Aber Frauchens Löcher sind schöner und größer, da kann man sich so schön reinlegen und es ist angenehm kühl.
- Jetzt
bin ich aber beleidigt, dauernd jagt sie mich raus,
Und jetzt kommt auch noch etwas angeflogen, das
brummt, au, schon ist es passiert, nun hat mich was gestochen. Unser
Hund schießt durch den Garten wie eine Rakete und ab unter den
nächsten Busch. Jetzt ist er beleidigt und jammert, da kann er
sehr wehleidig sein. Er liegt unter dem Busch in Demutshaltung und kann
einem richtig leid tun.
Frauchen
sagt „Bieni“. Wenn sie das wieder sagt und auch noch dazu brummt geh
ich in Zukunft in Deckung. Das hat Seppl sich für sein ganzes
weiteres Leben gemerkt. Wenn wir ihn necken wollten, machten wir nur
das Brummen der Bienen nach und sagten „Bieni“, und schon ging unser
Hund in Tauchstellung.
Zuhause
wartet Herrchen, das Mittagessen ist schon fertig, mal sehen was
für den Hund abfällt. Wie immer wird gebettelt. Frauchen
hält ihm etwas vor die Schnauze, zum Abgewöhnen – Sauerkraut
– mmhhh, lecker. Ich sag‘s doch ich mag alles was euch schmeckt. Aber
einmal haben wir ihn drangekriegt, mit einer Knoblauchzehe, die hat er
doch ganz schnell wieder ausgespuckt. Gelernt hat er dabei aber nichts.
Jetzt
im Sommer wird wieder der nächste Urlaub geplant. Es werden neue Wanderklamotten und Bergschuhe gekauft,
für schwierigere Touren durchs Gebirge.
In
unserem Urlaubsdomizil angekommen, fangen wir – wie immer - mit
kleineren Spaziergängen an. Aber dann geht’s schon morgens los.
Der Anmarsch ist diesmal auch weiter als sonst, und es geht steil
bergauf. Oben sind wir ganz allein und gehen immer den roten
Markierungen nach. Da ist alles Stein, fast keine Pflanzen gibt es, nur
ab und zu etwas Nadelgewächs.
Frauchen
hat Angst, daß dem Hund etwas passiert. So ein Blödsinn, ich
pass doch selber auf mich auf. Aber hier komm ich doch nicht weiter.
Frauchen
ist hochgestiegen und Herrchen nimmt mich hoch und hebt mich rauf zu
Frauchen, die nimmt mich in den Arm. Unter uns ist eine breite und
tiefe Spalte, und jetzt muß auch ich zittern und kralle mich
richtig fest. Jetzt ist Herrchen
auch
wieder da, nimmt mich und Frauchen klettert weiter, dasselbe Spiel
beginnt wie
vorher.
Aber jetzt ist es geschafft. Jetzt werd ich an die Leine genommen. Da
ist ein
riesiges
Steinplateau, unterbrochen von lauter breiten und tiefen Felsspalten.
Man nennt das Gebiet die „Gottesäcker“. Wir laufen richtig Slalom
um die Spalten herum. Dann geht’s irgendwann wieder bergab und der
Baum- und Pflanzenbewuchs fängt
wieder
an. Diesmal kommen wir direkt bei unserer Herberge runter, deshalb war
der Anmarschweg so weit.
Am
nächsten Tag ist Ausruhen angesagt. Frauchen und Herrchen liegen
auf ihren Liegestühlen bei der Pension, auch unsere Pensionswirtin
hat sich zu uns gesetzt. Jetzt wird erzählt und gelacht.
Aber
was ist das: eine Katze, die muß weg, also los, aber ich bin ja
angebunden und reiß Frauchen und die Liege mit. Aber es ist
geschafft die Katze ist weg und unser Hund bläht sich vor Stolz.
Er macht sich ganz groß und will gelobt und gestreichelt werden.
Auf
unserer nächsten Tour, wir sind schon ziemlich hoch oben, taucht auf einmal ein paar Meter über uns
ein Tier auf. Herrchen sagt: Oh eine Gemse. Das läßt sich
unser Hund nicht zweimal sagen und weg ist er mitsamt der Gemse.
Es
hilft kein Rufen und kein Schreien. Frauchen versucht, hochzuklettern,
aber das ist viel zu gefährlich. Ist das ein Schreck, wo ist der
Hund, was machen wir jetzt. Wieder rufen, zuerst böse, dann
lockend. Nichts! Warten – noch immer nichts. Wir
malen
uns schon aus was wir tun könnten, wenn der Hund nicht mehr
auftaucht. Aber auf einmal steht der Rabauke neben uns, als ob gar
nichts gewesen wäre. Jetzt haben wir viel Zeit verloren und es ist
sehr gefährlich, ab einer bestimmten Zeit noch in den Bergen zu
sein. Man sieht dann ja auch nichts mehr. Aber es ist ja noch mal gut
gegangen und wir kamen wohlbehalten unten an.
Wir
sind schon einmal – bei 2000 m Höhe - gerade noch in die
Bergstation gekommen, es war schon stockdunkel und die ersten Blitze
zuckten. Als der Guß runterging rannten wir noch schnell die
Treppen hoch. Dann saßen wir drinnen und sahen die Blitze zucken
und in die Felsen und Gipfelkreuze einschlagen. Auch Menschen waren
dort draußen in der Felswand noch unterwegs, man konnte sie
sehen, wir wollten nicht tauschen mit ihnen.
Unser Hund kuschelte sich an unsere Beine, als
ob er sagen wollte, ihr beschützt mich ja. Wir mußten
ziemlich lange warten, denn die Bergbahn konnte bei Gewitter nicht
fahren, es wäre viel zu gefährlich gewesen. Dann war es schon
sehr spät, gewöhnlich fährt um diese Zeit keine Bahn
mehr, aber es hatten sich viele Menschen eingefunden und die
mußten ja alle noch ins Tal, zu Fuß war es jetzt schon zu
dunkel.
So kamen wir doch wieder sicher unten an, unsere Wirtin hatte sich
schon Sorgen gemacht.
Nun
sind wir wieder zu Hause und der Alltag hat uns wieder.
Nach
dem Urlaub sieht es im Garten immer grausig aus, alles ist voller
Unkraut. Also ran an die Arbeit. Unser Hund ist natürlich auch
dabei, aber mit Hacken, Besen und Stöcken steht er auf
Kriegsfuß. Da wird reingebissen, geknurrt und gebellt, er
führt er sich auf wie ein Wilder. Es gibt dann immer einige
Spielminuten bis er sich eine andere Beschäftigung sucht.
Zum
Glück ist unser Garten eingezäunt, denn wenn sich
draußen etwas rührt, was ihm nicht geheuer vorkommt, rennt
er vor dem Tor hin und her wie ein Tiger. Im
Notfall würde er auch beißen. Wenn uns unsere
Garten-Nachbarn besuchen kommen, müssen sie Seppl immer erst
ansprechen, damit er sie erkennt.
Aber
wir sind froh, denn die Gärten liegen sehr abgelegen und oft
treiben sich sehr zwielichtige Gestalten herum. Deshalb ist es wichtig,
daß unser Hund „Laut“ gibt, wenn sich jemand dem Garten
nähert. Nach der Arbeit machen wir noch einen Spaziergang und dann
geht’s ab nach Hause.
Zu
Hause erinnert er uns dann, die Wasserschüssel ist leer, ich hab
Durst. Die wird dann so lange hin- und hergeschoben bis man sie
füllt. Dann geht dasselbe Spiel mit seinem Freßnapf weiter.
Aber sein Hundefutter wird oft verschmäht, Herrchens und Frauchens
Essen schmeckt ihm viel besser.
Manchmal
geht er mit den Jungs Gassi. Aber diesmal steht er allein vor der
Haustür.
Dann kommen die Jungs und erzählen: Er ist
ausgerissen und lief auch noch in ein Auto, Gott sei Dank ist nichts
passiert! Seppl sitzt daneben, er versteht, daß es um ihn geht
und er weiß auch, daß er etwas nicht richtig machte. Er
geht in Tauchstellung, legt die Ohren an, winselt, als ob er sagen
wollte „Ich mach‘s nie wieder“. Frauchen hebt den Finger, droht und
schimpft, da kriecht er zu ihr und jammert, daß man sich
zusammennehmen muß, um nicht zu lachen. Wie bei einem unartigen
Kind. Soll mal jemand sagen, ein Hund fühlt und denkt nicht.
So geht
dieses Jahr auch zu Ende, das Frühjahr kehrt wieder ein und die
Gartenarbeit beginnt. Diesmal hat unser Hund so fleißig mit
geholfen, daß er gebadet werden muß. Also rein in die
Badewanne! Brrr, das mag ich nicht. Er wird naß gemacht, dann
kommt das Shampoo. Beim Abspülen führt er sich auf wie ein
Verrückter, man kann ihn grad noch am Halsband festhalten. Aber
ein Augenblick der Unachtsamkeit, und zack ist er raus aus der Wanne.
Das laß ich mir nicht gefallen, denkt er, und schüttelt
sich. Das ganze Bad ist voll. Frauchen trieft!
Aber es
hilft nichts, jetzt noch mit seinem Hundehandtuch abgetrocknet und dann
kommt etwas, was er auf den Tod nicht ausstehen kann. Jetzt kommt der
Fön. Er bellt, er hüpft und schimpft. Aber soviel er sich
auch hin- und her windet er wird trocken gefönt.
Dafür
ist er jetzt wieder ein schöner Hund, aber ihm ist das ja egal.
So
große Reinigungen sind die Ausnahme. Denn erstens muß man
hinterher das ganze Badezimmer gründlich putzen und zweitens sind
wir der Meinung, daß das dem Hund vielleicht nicht gut tut. Sein
Fell muß sich von selbst reinigen, er macht das ja auch selber
und wenn er zu oft naß gemacht wird, könnte er sich auch
erkälten.
Mittlerweile
ist der Alltag für uns und Seppl schon zur Routine geworden.
Morgens aufstehen. Beim Frühstück sitzt er schon, Gewehr bei
Fuß. Es könnte ja was runterfallen, Herrchen erbarmt sich ja
meistens und gibt ihm was. Das weiß unser Hund. Fazit: Das
Betteln hat sich also doch gelohnt!
Nach
dem Frühstück verschwindet Frauchen im Bad und nun
aufgepaßt. Jetzt kommt sie! Seppl führt sich auf wie wild,
es geht ihm nicht schnell genug. Frauchen zieht die Schuhe an, er bellt
rennt zur Tür und zurück, eine richtige Nervensäge.
Endlich hat sie die Jacke an und die Leine in der Hand. Jetzt
heißt es „Sitz“, das macht er auch ganz artig, obwohl es ihn vor
Erwartung richtig schüttelt. Er weiß, bevor er nicht sitzt,
und angebunden ist, geht überhaupt nichts. Dann geht es los!
Mittags,
bevor Frauchen zur Arbeit geht, darf unser Hund auch noch mal kurz
Gassi.
Abends
übernimmt dies dann meistens das Herrchen, oder es geht mit Beiden
im
Auto
noch mal ins Grüne.
Und
wieder ist es Urlaubszeit und wir fahren wie jedes Jahr in die Berge.
Nach
vorsichtigem Einwandern machen wir, wie
üblich unsere Tagestouren. Diesmal hat es eine Kuh auf Frauchen
abgesehen. Wir sitzen auf einer Bank und das Tier kommt und kaut
Frauchens Oberschenkel. Aber nicht mit Seppl, mag sie auch noch so
groß sein, Frauchen muß man verteidigen und
beschützen. Er bellt und
hüpft
so lange vor ihr her, bis sie abhaut.
Dann
ist er ganz stolz und will gelobt werden. Beim anschließenden
Streicheln grunzt er vor Freude wie ein Schweinchen. Wenn es
gefährlich wird ist unser Hund nicht zu halten, es ist ihm egal,
wie groß der „Feind“ ist, er geht voll auf Angriff.
An
einem Regentag, an dem man nicht in die Berge kann, da es zu
gefährlich ist, machen wir einen Abstecher in die „Klamm“. Das ist
ein schrecklich laut und stark
tosendes
Wildwasser. Am Anfang ist der Verlauf noch relativ ruhig, aber je
weiter wir kommen, desto heftiger und lauter wird es. Jetzt sind wir an
einer Verengung des
Wildbaches
angelangt und das Wasser stürzt hier bald 10 Meter tief ab. Es
schäumt und tost, man kann sein eigenes Wort nicht mehr verstehen.
Unser
Hund ist nicht zu bewegen nur einen Schritt weiterzugehen. Er zittert
und schaut mich hilfesuchend an.
Er wird
auf den Arm genommen und klammert sich an.
Die
Angst ist so groß, daß wir umkehren, das Wohlbefinden
unseres treuen Tieres ist uns nun doch wichtiger. Ein Stück weiter
beruhigt er sich wieder und nun ist die Welt auch wieder in Ordnung. Er
wird abgesetzt und läuft nun wieder allein. Seine Dankbarkeit
zeigt er uns, indem er sich an unsere Beine drückt und mit dem
Schwanz
wedelt.
Ein
andrer Bergausflug führt uns auf eine Almhütte, an der wir
Rast machen. Da ist ein großer Schäferhund. Herrchen
streichelt ihn, aber ohne Seppl. Er ist immer schrecklich
eifersüchtig, springt den großen Hund regelrecht an und
bellt ganz böse. Gott sei Dank ist das Tier sehr friedlich und
reagiert nicht. Auch wir haben daraus gelernt.
Auf der
nächsten Tour haben wir Gelegenheit, ein ganzes Rudel Gemsen zu
beobachten. Auch unser Hund hat gelernt, die Tiere in Ruhe zu lassen.
Zuerst sieht er interessiert zu, dann legt er sich, da es sehr
heiß ist, unter einen Busch und paßt auf, immer auf dem
Sprung. Sowie wir uns bewegen ist er auf den Beinen, als ob er sagen
wollte, ach geht’s jetzt weiter?
Was der
Hund auf diesen Ausflügen so leistet! Meistens ist er 10 bis 20
Meter voraus, dann rennt er wieder zurück zu uns, hüpft und
bellt, auf, auf. Jetzt rennt er wieder vor, er bewältigt somit das
Dreifache, der Strecke. Selbst bei unserer Rast strolcht er herum und
gönnt sich keine Ruhe. Wo er nur die Kraft hernimmt!
Er
findet auch alles. Auf einem unserer Ausflüge entdeckte er einen
Schlüsselbund und brachte ihn uns. Den gaben wir dann im Rathaus
ab, vielleicht freut sich der Verlierer, daß er ihn wieder
bekommen hat.
Mittlerweile
haben wir auch eingesehen, daß der Hund sich sein Wasser selber
sucht, er hat dafür scheinbar ein besonderes Gespür. Am
Anfang schleppten wir immer eine Feldflasche mit Wasser mit uns herum
für Seppl. Dieses Wasser verschmähte er ständig, die
Quellen oder die Pfützen waren scheinbar viel besser.
Bei
unserer letzten Tour in diesem Sommer verspäteten wir uns, die
Pflanzen waren so wunderschön, Herrchen war laufend am
Fotografieren. Also beschlossen wir, die Bergbahn hinunter zu benutzen.
Aber
jetzt zog auch noch ein Gewitter auf, und da es sowieso die letzte Bahn
hinunter war, hatten auch andere Bergwanderer diese Idee und es
warteten wahnsinnig viele Menschen. Unser Hund war eingekeilt zwischen
all den Beinen und
das
gefiel ihm ganz und gar nicht! Die Menschen unmittelbar um uns herum
konnten noch so aufpassen, es wurde geschoben und gestoßen. Sie
halfen uns dann, etwas Platz zu machen, so konnte ich den kleinen Kerl
hochnehmen und über die Schulter legen. Wir wechselten uns dann
immer ab, bis wir in der Bahn und dann glücklich wieder im Tal
waren.
Am
nächsten Tag wurde eingepackt und es ging wieder heim in die
gewohnte Umgebung
Heute
holen wir wieder einmal Herrchen vom Geschäft ab, er arbeitet in
der nächsten Stadt, das ist zu Fuß erreichbar. Bei dieser
Gelegenheit lernt unser Hund mit Straßenlärm (Autos)
umzugehen und sich davon nicht irritieren zu lassen. Also los! Seppl
kommt an die Leine. Beim Haus geht’s den gewohnten Gang, aber wir
biegen nicht in den täglichen „Gassi-Weg“ ein, sondern gehen neben
der Straße am Fuß- und Fahrradweg weiter.
Oh, da
bimmelt es schon, ein Fahrrad kommt, so das ist gemeistert. Eine halbe
Stunde später steht das Straßenschild – Ortsbeginn. Nun
wird’s belebter, ganz geheuer ist‘s unserem Hund nicht. Immer wieder
schaut er sich um und bleibt stehen.
Aber
Frauchen hat ihn ja an der Leine und sagt „Fuß“ und bei ihr
fühlt er sich sicher. Da ist auch schon die erste
Fußgängerampel. „Sitz“, heißt es, das klappt, aber er
zittert vor Aufregung und möchte wieder aufstehen und weiter
laufen. Wieder heißt es „Sitz“, aber jetzt ist die Ampel
grün, Frauchen setzt sich in Bewegung und Seppl natürlich
auch.
So jetzt geht’s „bei Fuß“ immer weiter bis
zur nächsten Ampel. Auch das ist geschafft, jetzt noch über
die Straße, da ist die Firma, in der Herrchen arbeitet. Da steht
auch sein Auto, „aber warum darf ich nicht einsteigen?“
Frauchen
sagt: „Seppl such, wo ist Herrchen!“ Aber es kommen so viele Männer, er ist nicht dabei. Jetzt hat der
Hund ihn entdeckt, Frauchen macht die Leine los und nun rennt er auf
sein Herrchen zu. Er schaut nicht rechts und nicht links, zielstrebig
läuft er geradeaus. Ist das eine Freude und ein Gebelle. Jetzt
wird er gestreichelt und grunzt vor
Stolz.. Jetzt geht’s ab ins Auto und nach Hause.
Das
Jahr ist im Ausklingen, es ist Sylvester. Warum ist das nur immer so
ein schreckliches Geknalle, Gefauche und Gepfeife. Ich hab immer noch
Angst, jedes Jahr hab ich Angst und die nehmen mich auch noch mit raus.
Aber ich wehr mich, mit allen vier Beinen sträub ich mich, da geht
nichts mehr. Frauchen nimmt mich auf den
Arm und
Herrchen und die beiden Buben lassen so komische Hüpfer los, die
knallen so laut. Ich krall mich fest und zittere. Vielleicht hilft
winseln oder bellen. Oben in der Luft fliegen so bunte Dinger, die
zischen auch so komisch. Von irgendwoher pfeift es in ganz hohen
Tönen. – Schrecklich!!! -
Die
ersten Jahre war das noch schlimmer, da hatte ich noch mehr Angst. Im
ersten Jahr da hab ich mich unter der Eckbank verkrochen und bin nicht
mehr herausgekommen. Mittlerweile habe ich mich schon etwas daran
gewöhnt, nächstes Jahr macht es mir vielleicht gar nichts
mehr aus.
So nun
wird es ruhiger und wir gehen auch wieder in die gewohnte Umgebung.
Jetzt
im Januar hat Herrchen Geburtstag, aber die haben mich angebunden, weil
ich, wenn Besuch kommt, immer so wild bin. Ich belle wie ein Wilder,
immer wieder werde ich ermahnt „Aus“ und ab und zu bekomm ich eins aufs
Hinterteil.
Es ist
wirklich schrecklich mit Seppl. Kommt Besuch, dann ist sein
übertriebener Bewacher- und
Beschützerinstinkt da. Gibt uns jemand die Hand, sieht er darin
eine Bedrohung und man muß aufpassen, daß er nicht
hochspringt und zubeißt. Das in
den
Griff zu bekommen hat er in all den Jahren noch nicht gelernt und man
kann es
ihm
scheinbar im Guten und auch nicht im Bösen abgewöhnen.
Also
heißt es vorbeugen, nach einiger Zeit ist es vorbei und man kann
ihn wieder los binden.
Aber
dann geht er sofort auf Entdeckung! Jeder Gast wird genau beschnuppert
und nun will er auch Beachtung und seine Streicheleinheiten. Dann legt
er sich zu Füßen
des
Besuchs, als ob er sagen wollte: Ich pass auf. Kommt ihm dann was
komisch vor, ist er sofort auf den Beinen und auf „Hab acht“.
Das
Frühjahr ist wieder vorbei und der Urlaub steht vor der Tür.
Heute ging‘s mit Frauchen ans Einkaufen. Aber da gab es Haue.
Eigentlich weiß ich ja, wenn sie das Auto parkt, daß ich
drin bleiben muß. Aber diesmal sprang ich von der Rückbank
runter, raus aus dem Auto und flitzte über die Straße. Das
Auto sah ich noch, aber
vorher
schnell noch rüber, das reicht ja ! Es hat gereicht, aber dann kam
Frauchen und hat mich so verhauen, ich hab nur noch gewinselt. Das mach
ich nie
wieder!!!!
Und nun
wird wieder für den Urlaub gepackt.
Eine
unserer Touren führt uns zu einem Steilhang, der bekannt ist
für seinen Gemsenreichtum. Diese Stelle haben wir letztes Jahr
schon entdeckt. Man kann so schön die Tiere beobachten. Auch Seppl
schaut interessiert zu, aber dann geht er seiner eigenen
Beschäftigung nach. Erde graben und sich einbuddeln, je nach
Witterungsbedingungen. Herrchen und Frauchen haben sich hingesetzt und
beobachten die Gemsen. Einige liegen faul da, andere fressen oder
klettern – was können diese Tiere springen – ganz kleine sind
dabei, die noch gesäugt werden.
Dieses
Jahr haben wir dort oben, etwas tiefer und weiter in dem
Bergeinschnitt, einen wunderschön sprudelnden Bergbach entdeckt.
Dort wachsen herrliche Pflanzen und wir machen Rast. Unser Hund tobt in
dem Bach herum, rennt
Stöckchen
nach und bringt sie wieder. Das Wetter ist herrlich und dieser Flecken
Erde kommt uns wie das Paradies vor, zumal sich bis hierher wenig
Menschen verirren.
Beim
Abstieg legen wir - wie immer – noch eine Rast ein. Mittlerweile kennen
wir uns in diesem Gebiet schon sehr gut aus und wissen, welche Almen
bewirtschaftet sind und wo wir etwas zu essen und trinken bekommen.
Auch wenn es nur ein einfaches Käse- oder Schinkenbrot ist,
schmeckt es herrlich, da Käse und Schinken dort auf den Almen
selbst hergestellt werden. Aber nun geht’s endgültig bergab
Heute
haben wir uns fast verlaufen. Im Winter davor ging an diesem Hang eine
Lawine runter und hat die ganzen Bäume umgerissen. Wir finden
keine Markierung mehr und brauchen viel Zeit bis wir den Weg wieder
finden.
Es ist
sehr mühsam, über die umgestürzten Bäume zu
klettern, und unseren Hund müssen wir hier sowieso tragen, er
hätte überhaupt keine Chance, durchzukommen. Wir sind ganz
abgekämpft. Dadurch ist es schon ziemlich spät, aber
zurück wäre noch schwieriger.
Also
weiter, aber dann stehen wir vor einer schwierigen Felswand, die
mindestens 10 Meter hoch reicht. Frauchen klettert zuerst, aber jetzt
kommen Leute, die sind bestimmt schneller, als wir mit Hund. Also
vorbeilassen und nun nochmals los. Frauchen
zuerst, nach 2 Metern macht sie Halt. Herrchen reicht Seppl hoch, er
wird angebunden und bleibt bei Frauchen auf einem kleinen
Felsvorsprung. Er ist ganz aufgeregt, denn er merkt ja, daß es
nicht ganz einfach ist. Jetzt ist Herrchen da, übernimmt den Hund
und Frauchen klettert weiter. So geht das die ganze Wand hoch. Es
dauert ziemlich lange, denn man muß jeden Fuß mit Bedacht
setzen. Aber schließlich ist auch das geschafft und oben geht es
weiter. Es ist sehr schmal und an beiden Seiten sind tiefe
Steilhänge, Seppl bleibt an der Leine, wir haben Angst er
könnte abstürzen. Es paßt ihm ja gar nicht, alleine
wäre er ja auch viel schneller.
Diese
Tour werden wir nie vergessen, wir wußten vorher nicht, daß
es so schwierig wird. Am nächsten Tag war unsere Wirtin ganz
erstaunt, daß wir das mit Hund geschafft hatten.
Wir
legen ein paar Tage kleinere Touren ein und auch einen faulen Tag.
Aber
jetzt geht es wieder los. Nach 4 Stunden sind wir erst mal oben, dort
sind große Weiden. Auch die Kühe laufen hier frei herum, das
war am Anfang für unseren Hund
gar
nicht so einfach, denn er wollte sie immer jagen. Aber mittlerweile
akzeptiert er die Tiere.
Aber
heute haben wir es mit Pferden zu tun. Da kommt eine Stute auf uns
zugerannt, sie hat es auf unseren Hund abgesehen. Seppl rennt und das
Pferd hinter ihm her. Aber hier oben ist alles frei und er kann sich
nirgends verstecken. Die Stute springt hoch und schlägt nach allen
Richtungen aus, es sieht sehr gefährlich aus und es ist auch sehr
gefährlich. Es ist sehr heiß
und nach mehreren Minuten ist unser
Hund ganz schön erschöpft. Wir wissen,
daß er das nicht allein in den Griff bekommt, daß wir ihm
helfen müssen, aber wie? Frauchen ruft ihn zu sich und er folgt
auch sofort, er weiß, daß wir ihm helfen.
Von
klein an ist er bei uns und hat ein uneingeschränktes Vertrauen zu
uns. Würden wir sagen „Spring“, würde er springen, ob es gut
oder böse für ihn enden würde. Nun ist er bei uns und
wird an die Leine genommen, aber die Stute gibt keine Ruhe und
attackiert uns weiter. Frauchen stellt sich vor den Hund, da geht das
Pferd hoch und schlägt mit dem Huf nach ihr, trifft sie an der
Brust und wirft sie um. Jetzt geht
Herrchen dazwischen und nun laufen wir alle drei und die Stute rennt
uns hinterher. Ein kleiner Busch, schnell dahinter versteckt. Jetzt
kommen andere Bergwanderer und auch auf sie geht das Pferd los, aber
wir haben nun wenigstens Ruhe und
können
das Weite suchen. Wir sind ganz schön erledigt.
Als wir
das unserer Wirtin berichten, erzählt sie uns, daß das Pferd
schon als Fohlen mit seiner Mutter zusammen auf alle Wanderer
losgegangen ist. Unserer Pensionswirtin ist es selbst einmal so
ergangen.
Bevor
wir dieses Mal nach Hause fahren, machen wir noch einen Besuch auf
einer unserer Lieblingsalmen und decken uns mit gutem Speck ein, den
auch unser Hund so liebt.
Beim
Abstieg machen wir noch eine kleine Rast an einem unserer
Lieblingsplätze. Dort steht eine Bank im Schatten und auch unser
Hund hat eine geeignete Raststätte gefunden, einen riesigen Stein,
auf diesem liegt er bei dieser Hitze besonders gern, da ist es
schön kühl.
Der
Urlaub ist vorbei und der Alltag hat uns wieder. Aber es tut sich etwas
ganz Besonderes: Wir sind dabei uns ein eigenes Häuschen zu
suchen. Nach mehreren Fehlversuchen haben wir anscheinend das Richtige
gefunden. Es liegt ziemlich außerhalb, was ja kein Problem ist,
wir haben jeder unser Auto und für
unseren Hund ist das herrlich, denn man ist gleich draußen in den
Wiesen. Da kann er herrlich toben und bellen, nach Herzenslust.
Aber
erst geht es ans Renovieren, denn es ist ein älteres
Häuschen. Herrchen ist jeden Tag nach der Arbeit draußen,
das ist sehr anstrengend. Frauchen fährt morgens hin und macht,
was sie kann, sie arbeitet erst nachmittags.
Auch in
der alten Wohnung ist mittlerweile nichts mehr am alten Platz, denn es
wird - was nur geht – in Schachteln
verpackt und gleich mitgenommen. Unserem Hund gefällt das gar
nicht, er schleicht in der Wohnung umher, mauzt, den Schwanz eingezogen
und versucht laufend unsere Aufmerksamkeit zu erringen. Er stellt die
tollsten Sachen an! Ist etwas bereitgelegt zum Einpacken, fehlt es
plötzlich, man zweifelt an seinem eigenen Verstand, bis man es
plötzlich durch Zufall wieder entdeckt. Seppl hat es sich
geschnappt und irgendwo versteckt.
Zeitungspapier,
das zum Einpacken verwendet wird, kann er gar nicht leiden. Laufend
packt er es, rennt damit durch die Gegend, schüttelt es und knurrt
und bellt dabei, dann zerreißt er es in ganz kleine
Stückchen.
Und
dann der eigentliche Umzug. Für unseren Hund ist das Chaos pur.
Jetzt ist er auch noch in einem anderen Umfeld. Aber Gott sei Dank,
sein Körbchen ist auch dabei. Das steht die nächste Zeit des
nachts neben Frauchens Bett. Auch die Spaziergänge sind anders,
wir sind ja gleich draußen. Die Hauptsache für unseren Hund
ist aber, seine „Familie“ ist in Sichtweite.
Hier
draußen brauchen wir auch keine Hundeleine, sie wird nur
„für alle Fälle“ mitgenommen. Unser Hund von klein
gewöhnt immer etwas in den Zähnen mit sich herumzutragen, ist
ganz scharf auf die Leine. Er bekommt sie – zusammengebunden – ins
Maul. Dann ist er ganz stolz und schleppt sie mit sich herum.
Selbst
beim Pinkeln gibt er sie nicht her. Ist dann etwas Wichtigeres, legt er
sie ab, geht’s dann weiter, schnappt er
sie wieder.
So hat
er, da war er noch kleiner, unseren Schlüsselbund getragen. Wir
paßten nicht auf und plötzlich war er weg. Dann hieß
es „Seppl such, wo ist Schlüssele“. Das ließ er sich nicht
zweimal sagen, setzte sich in Bewegung, die Nase schnüffelnd am
Boden. Er rannte nach rechts, links und zurück und auf einmal ein
Sprung und er hatte den Schlüssel. Ach, waren wir froh, in Zukunft
ließen wir ihn in solchen Fällen nicht mehr aus den Augen.
Was
schleppte er alles mit sich herum. Kleine und große Stöcke,
Äpfel, Maiskolben. Er sammelte alles auf, selbst weggeworfene
Papiertaschentücher, da mußte man aufpassen, die verschlang
er gerne, wenn man ihn nicht sofort anschrie.
So war
er auch scharf auf Luftballons, die die Jungs als Werbegeschenke
erhielten. Er sprang diese an, ein Biß, ein Knall. Dann schnappte
er sich den geplatzten Rest, ein Drücker und der Ballon war
verschlungen.
Nach
einer Woche in unserem neuen Zuhause hat sich
unser Hund auch daran gewöhnt und ist dabei seine Umgebung zu
erforschen. Im neuen Gärtchen kann man so schön graben, denn
die Terrasse ist noch nicht da, die ist erst für später
geplant.
Im Haus
paßt ihm unsere neue Wendeltreppe nicht, die ist so rutschig,
wenn er da runter will, purzelt er gleich alle 13 Treppen auf einmal
hinab. Er muß sich also abgewöhnen, uns auf Schritt und
Tritt nachzurennen, und uns dauernd vor und zwischen den
Füßen rumzustolpern.
Die
allerersten Wochen bis alles am Platz und der ärgste Umbau vorbei
ist, sind furchtbar. Aber dann kehrt wieder ein bestimmter Rhythmus
ein, mit Aufstehen, Gassi gehen, Fressen bekommen und schlafen.
Die
ersten Weihnachten sind noch etwas chaotisch, aber wir machen das Beste
daraus. Sylvester ist hier draußen auch etwas ruhiger, aber man
kann über das ganze Tal blicken und hat somit einen herrlichen
Blick, auf all die abgefeuerten Feuerwerkskörper – eine Pracht.
Im
Spätherbst umgezogen, nimmt jetzt im Frühjahr Herrchen den
Garten in Angriff, unsere Terrasse wird gebaut. Eine große
Markise darüber wegen der Sonne und ein etwas kleineres Dach,
falls es regnet. Die Gewächshäuser, die kennt unser Hund ja,
haben wir schon im Herbst aufgestellt. Der Weg zur Terrasse führt
über unsere
Zufahrt, das weiß Seppl schon und wenn er
raus rennt, geht es zielstrebig in Richtung Terrasse, denn er
weiß dort sind wir.
Auch
unsere beiden großen gepachteten Gartengrundstücke haben wir
noch behalten, da geht’s dann am Wochenende immer raus. Auf jedem
Grundstück steht ein Gartenhäuschen, in dem man
Gartenstühle und auch sonstige Sachen aufbewahren kann, somit ist
alles vorhanden was man braucht. Da kann unser Hund toben und rennen
nach Herzenslust. Unter der Woche wechseln wir uns bei der Arbeit ab,
denn der Garten muß ja auch bewirtschaftet werden. Die Jungs
übernehmen oft das Rasenmähen, da ist Seppl ja auch dabei. Er
wird in den Schubkarren gesetzt und wie die wilde Jagd durch den Garten
gekarrt. Aber das gefällt ihm nicht und „schwups“ ist er
draußen. Auch beim Arbeiten führt er sich auf, wenn er nur
Hacke oder einen Spaten sieht, bellt er wie verrückt und
beißt in den Stiel hinein. So macht er es auch zu Hause mit dem
großen Besen. Er hat vor nichts Respekt.
So
vergeht die Zeit. Nach und nach nimmt unser Haus von innen die Gestalt
an, die wir ihm geben können. Es ist nur eine Frage der Zeit und
des Geldbeutels. So wie es aussieht wird es schon noch einige Zeit
dauern. Auch draußen ist noch nicht alles so, wie wir es gerne
hätten. Aber kommt Zeit kommt Rat.
Besonders schön sind die herrlichen
Spaziergänge, die man hier oben machen kann. Erst die Straße
raus, durch den Wald auf die Höhe und über die Wiesen wieder
runter. Oder ganz durch den Wald, das ist so ganz nach dem Geschmack
von Seppl.
Im Frühjahr das helle frische Grün der Bäume und Sträucher, die Frühlingsblüher im
Wald und auf den Wiesen.
Im Sommer das satte Grün des Grases, das Getreide und im Wald der angenehme Schatten.
Der Herbst ist besonders schön, das Laub im Wald spiegelt alle Farben.
Und dann der Winter, wir liegen etwas höher und Schnee bekommen wir entsprechend mehr. Es ist beim Spaziergang von den Häusern weg in Richtung Wald alles weiß. Man sieht keine Straße mehr und manchmal ist das Durchkommen ganz schön anstrengend.
Bei unserem letzten Gassi-Gehen war es abends schon dunkel. Da unser Hund ein dunkles Fell hat, kann man ihn dann nicht mehr erkennen. In der Regel hört man ihn, es hört sich an, als ob eine Büffelherde unterwegs ist. Aber diesmal kann ich weder
etwas sehen noch hören. Auf einmal ein Knurren und Bellen! Seppl hat jemanden gestellt, er dachte es sei eine Bedrohung für sein Frauchen. Er steht da und läßt die Leute nicht gehen. Oh, ist mir das peinlich, aber der Mann hat Verständnis sie haben
zu Hause auch einen Hund, er sagt das ist schon in Ordnung, daß er aufpaßt. Nun wird Seppl angebunden und jetzt hat er sich auch beruhigt.
Und jetzt zur bekannten Feindschaft Hund und Katz.
Als wir unseren Hund damals bekamen, waren wir froh, daß er die Katzen ums Haus herum verjagte. Es war sehr lästig, sie waren überall, im Haus, wenn die Terrassentüre mal offen stand; im Garten, beim Jäten faßte man oft in die Katzen-Kacke hinein. Im Erdreich sieht man es nicht, die Katzen buddeln es ja ein. Wie oft traten wir in die Schweinerei und trugen den Gestank ins Haus, oder, was besonders schlimm war, ins Auto. Das ging mit Putzen und Waschen nicht mehr raus, da mußten dann neue Fußmatten her. Aber Dank Seppl war das Problem bald gelöst.
Nun in unserem neuen Zuhause, es ist ja auf dem Land, gibt es noch mehr Katzen. Wenn wir zu unserem Hund sagten „Mulle g’sehn“, dann machte er sich ganz groß,
er rannte nach links, nach rechts, es wurde geschnüffelt und gesucht, bis er sie entdeckt hatte und sie verjagt war. Dann war er aber stolz und wollte gelobt werden. Um’s Haus rum hatten wir auch binnen kurzer Zeit Ruhe.
Die Katzen der Nachbarn lernte er zu akzeptieren, die gehörten dorthin, das war ja auch nicht sein Revier. Aber wehe er entdeckte unterwegs eine, die mußte weg. So auch auf einem unserer Spaziergänge. Aber diese Katze ließ sich nicht verjagen und stellte sich, das wollte unser Seppl nicht hinnehmen und ging auf Angriff über. Die Katze ließ sich das nicht gefallen und sprang unseren Hund an, wie Katzen sind, auf den Kopf und krallte Seppl in die Augen. Jetzt war er nicht mehr zu halten und ging auf das Tier los, die wußte, jetzt wird’s kritisch und suchte das Weite.
Unser Hund winselte und kam zu mir, eines seiner Augen war verletzt. Ich nahm ihn hoch und trug ihn nach Hause.
Dort wurde sein Auge mit Borwasser ausgewaschen. Es dauerte aber noch Wochen bis es wieder verheilt war. Gelernt hat er daraus leider nichts, er ist und bleibt ein Katzenjäger, oder vielleicht gerade deshalb?
Die Enkel sind in den Sommerferien zu Besuch, sie dürfen eine Woche hierbleiben. Sie haben viele Spielsachen mitgebracht, die auch unserem Hund sehr gefallen. Das war schon immer so.
Die ferngesteuerten Autos jagt er und wenn er sie erwischt, nimmt er sie in die Schnauze und will sie nicht mehr hergeben. Am besten gefallen ihm die weichen und kuscheligen Sachen, wie z. B. Bären, die schüttelt er hin und her, rennt damit durch die Gegend und bellt wie ein Narr.
Beim Lego-Bauen will er auch immer mithelfen, aber dabei wirft er immer alles um, dann gibt’s natürlich Schimpfe. Aber das macht ihm nichts aus, gleich ist er wieder mitten drin.
Zu Weihnachten bekam Frauchen eine Zierpuppe geschenkt. Ach war unser Seppl da eifersüchtig. Herrchen nahm die Puppe in den Arm und streichelte sie. Er brauchte nur „Puppi“ zu sagen, so führte sich der Hund auf wie ein Verrückter.
Aber die Jahre sind vergangen und Seppl ist nun schon 12 Jahre alt. Er ist doch etwas ruhiger und toleranter geworden. Ab und zu kommen auch schon verschiedene Weh-wehchen, wie bei uns Menschen auch.
Eines morgens will er nicht Gassi, er ist sowieso arg wehleidig, aber heute schreit er beim Aufstehen. Frauchen nimmt ihn auf den Arm und setzt ihn hinterm Haus ins Gras. Aber beim Weitergehen schreit er noch immer und hinkt.
So geht das ein paar Tage und wir überlegen schon, ob wir mit ihm zum Tierarzt sollen, da sagen wir uns, was uns Menschen hilft, kann auch einem Tier nicht schaden. Wir geben ihm abends beim Fressen eine halbe Schmerz-Tablette ins Futter. Er muß sich irgend etwas zugezogen haben, denn den Tag über geht es, nur morgens beim Aufstehen hat er Schmerzen.
Die Tabletten scheinen zu helfen, jeden Morgen ist es ein bißchen besser und eines Tages ist es vorbei. Nur ein leichtes Hinken behält er fast immer bei. Das hindert ihn aber nicht weiter, er ist so wie immer zu jeder Schandtat bereit.
Zur Haustür raus und wehe es bewegt sich was draußen dann geht’s die Treppen im freien Flug hinunter und drauf mit Gebrüll. Auch unsere ausgiebigeren Spaziergänge
haben wir wieder aufgenommen.
Dann ist wieder Winter und diesmal streikt Seppls Magen, er „kotzt“ und es ist ihm gar nicht wohl, trotz warm halten und Heizkissen. Draußen liegt hoher Schnee und er stampft drin herum und was er rausspuckt oder rauskackt ist rot und schleimig wie Blut.
Uns wird’s ganz weh ums Herz ist es jetzt so weit und wir müssen unseren Hund bald hergeben. Es wird Reis gekocht und Kamillentee, und unser Hund labt sich – Gott sei Dank – daran. Frauchen hat es ihm vorgemacht, sie kniet neben seiner Futterschüssel und tut so, als ob sie von seinem Reis etwas ißt, das wirkt. Was Ihr schmeckt, mag auch der Hund. So bekommen wir auch dies in den Griff.
Im Frühjahr sind wir wieder, wie gewohnt auf unseren Spaziergängen unterwegs.
Im Sommer bei einem unserer Spaziergänge wollen wir noch schnell raus, aber es kommt ganz schwarz von hinten am Horizont. Zum Glück nimmt Frauchen den Schirm mit. O, gibt das ein heftiges Gewitter mit Blitz und fürchterlichem Donner. Aber unser Hund weicht nicht von Frauchens Seite. Ich glaube er wäre lieber gestorben, als sie allein zu lassen. Schnell bei der Scheune ans Tor gedrückt, der Schirm ist aufgespannt und Frauchen und Hund hocken darunter. Seppl zittert vor Angst, aber er hält eisern aus und drückt sich fest an ihre Beine.
Nachdem der Regen und vor allem Blitz und Donner nachgelassen haben, rennen wir ganz schnell nach Hause. Herrchen war schon in Sorge und wäre, wenn er gewußt hätte, wo wir waren, mit dem Auto gekommen, um uns abzuholen. Daheim wird unser Hund mit seinem Regenhandtuch schnell abfrottiert und tröstet sich mit seinem Lieblingsfressen.
Jetzt im Sommer, es ist wie jedes Jahr, leidet unser Hund wieder unter den Zecken.
Jeden Morgen und jeden Abend wird er von uns von oben bis unten abgetastet. Sein ganzes Fell wird durchsucht, diese Viecher beißen sich an den unmöglichsten Stellen
fest.
Wenn nun eine Zecke geortet wurde, wird sie gepackt und herausgezogen. Aber unser Hund ist da nicht begeistert, er kann ja auch nicht so lange still halten. Er windet sich und reißt aus, es ist wie ein kleiner Ringkampf. Frauchen kniet sich auf den Boden, nimmt den Hund zwischen die Beine und notfalls hält sie ihn auch noch am Halsband fest. Sitzt die Zecke an einer besonders ungünstigen Stelle, hilft auch Herrchen noch mit.
Wir nehmen Seppl über diese Zeit auch abends oft sein Halsband ab, daß die Viecher sich nicht darunter verkriechen können. Das gefällt unserem Hund aber gar nicht, er ist dann wie gestört, kommt sich wahrscheinlich wie nackt vor. Er sucht sein „Bändi“ wie wir es nennen und morgens ist er ganz glücklich, wenn wir es ihm wieder umbinden.
Wieder ist die Zeit vergangen und eines Morgens liegt in Seppls Körbchen ein Zahn. Unser Hund ist schon sehr betagt geworden. Man rechnet ein Hundejahr mit sieben Menschenjahren auf und so gesehen ist Seppl schon ein alter Opa geworden. So ging das mit seinen Zähnen, wir fanden die nächste Zeit einen nach dem andern.
Auch beim Bürsten seines Felles muß man aufpassen, da winselt er auch oft, es tut ihm scheinbar weh und wir beschränken uns also nur auf die notwendigste Pflege.
Nun fehlen ihm die vorderen Zähne schon ganz. Zum Glück hat er die hinteren Backenzähne noch, also das Beißen beim Fressen geht noch ganz gut. Es ist für ihn nur schwierig das Fressen ins Maul zu bekommen, da die vorderen Zähne fehlen. Deshalb fallen ihm die Brocken auch immer wieder heraus. Aber mit der Zeit entwickelte er eine besondere Technik und meisterte auch das.
Wie früher ist er noch heute gewohnt, den Äpfeln, die ihm geworfen werden hinterherzulaufen. Aber wenn er dann zubeißt, merkt er gleich, das geht doch gar nicht mehr. Dann steht er da und schaut mit bittendem Blick.
Frauchen oder Herrchen müssen helfen, es wird dann ein Stück Apfel heruntergebissen und diese Stückchen kann er fressen. Da ist er ganz gierig drauf und freut sich.
Eines Tages dachten wir, will er nicht mehr hören oder hört er wirklich nicht. Es kam zuerst ganz unmerklich, aber mit der Zeit wurde es immer schlimmer. Wir machten einen Versuch. Aber selbst ein lauter Pfiff oder lautes Klatschen hinter ihm nahm er nicht mehr wahr. Unser Hund hört nichts mehr und ist immer mehr auf unsere Hilfe angewiesen. So wie er uns damals im Nebel durch die Berge geführt hatte, so müssen wir nun auf ihn acht geben. Er ist aber so schlau, weil er es scheinbar merkt, daß er nichts mehr hört, läuft er nicht auf der Straße, sondern in der Wiese neben der Straße. Aber es ist trotzdem schrecklich, wenn ein Auto kommt. Wir haben furchtbare Angst, daß er mal überfahren wird.
Jetzt ist Seppl schon fast 17 Jahre alt und seine Sehkraft läßt auch langsam nach. Es ist das Auge, an dem ihn die Katze damals verletzt hat. Aber seinen täglichen Spaziergang morgens und abends läßt er nicht aus. Auch morgens beim Frühstück steht er immer noch Gewehr bei Fuß, es fällt ja auch immer was für ihn ab dabei. Nur muß man ihn jetzt direkt darauf stoßen, daß er die Brocken findet. Das wäre ihm vor Jahren nicht passiert. Wir sind auch, was das Betteln betrifft, viel toleranter geworden, wissen wir doch nicht, wie lange wir unseren Hund noch behalten können. Morgens beim Aufstehen ist er sehr steif und staksig, aber dann marschiert er ein paar Mal hin und her und dann geht es wieder.
Jeden Morgen, wenn wir aufstehen, schauen wir nach dem Hund und wenn er so still in seinem Körbchen liegt, bleibt der bange Blick auf ihm: atmet er noch oder.....? Er ist sehr ruhig geworden, manchmal fast apathisch und es fällt schwer, ihn für uns zu interessieren. Es stimmt uns nachdenklich und auch wehmütig.
Wir mußten uns schon einmal von einem treuen Hund trennen, den wir
15 Lebensjahre begleiten durften. Es ist noch nicht so lange her und es tut noch immer furchtbar weh. Bei jedem Spaziergang schaut man nach hinten, kommt er? Ach er ist ja nicht mehr da. Das Tier wollte und konnte einfach nicht mehr aufstehen und da es ein sehr großer Hund war, konnten wir auch gar nichts mehr machen, als ihn vom Tierarzt erlösen zu lassen. Wir wissen wohl, das es das Richtige war, aber es schmerzt schrecklich.
So vergeht jeder Tag. Vorige Woche stürzte unser Seppl die Wendeltreppe runter, Gott sei Dank hat er sich nichts getan. Wahrscheinlich war er wieder einmal etwas abwesend und konnte sich nicht mehr zurechtfinden. Seither stellen wir, wenn es dämmrig wird, immer etwas vor, damit es nicht wieder passieren kann.
Es ist wieder Weihnachten, aber unser Hund bekommt es sowieso nicht mehr richtig mit, ich glaube so geht es uns Menschen auch, ab einem bestimmten Alter. Seppl hat auch ein tränendes Auge, wie schon erwähnt wurde er von einer Katze verletzt, das wir jeden Tag mit Augensalbe behandeln. Hoffentlich bekommen wir das auch in den Griff.
Ansonsten
tigert er wie früher in der Wohnung herum, immer ist er dort, wo
man ihn am wenigsten brauchen kann.
Manchmal nervt es ganz schön, denn er
weicht nicht mehr so aus, wenn jemand kommt, wahrscheinlich ist sein
Reaktionsvermögen schon sehr eingeschränkt. Aber wir sind
diesbezüglich doch sehr großzügig geworden und freuen
uns, solange er noch um uns ist.
Mittlerweile
haben wir unsere Spaziergänge ganz eingestellt. Zum großen
und kleinen „Geschäftchen“ machen tragen wir ihn in den Garten
hinaus. Das klappt ganz wunderbar, unser Hund hat gleich begriffen, wie
die Sache läuft, und er ist ganz dankbar, daß er sich
unterwegs nicht mehr quälen muß. Er ist auch sehr
orientierungslos, weil er ja auch überhaupt nichts mehr hört
und auch nicht mehr gut sieht.
Jeden
Tag fragen wir uns, ob wir unseren Hund erlösen sollen. Aber was
ist Erlösung? Wenn wir essen bekommt er es noch mit, er steht
sofort bereit, will auch etwas abbekommen.
Obwohl
er nichts mehr hört und so gut wie nichts mehr sieht bemerkt er
uns. Sein Kopf hebt sich, wenn wir vorbeigehen, er ist also noch
„ansprechbar“. Wir bringen es nicht übers Herz, uns von ihm zu
trennen, obwohl er für uns eine sehr große Belastung ist. Er
macht sehr viel Arbeit, wir sind dauernd beim Putzen. Laufend
müssen seine Decken gewaschen werden.
Wieder
ist ein Jahr fast vorbei. Es sind noch vier Tage bis zum Heiligen Abend
und wir haben in den letzten zwei Wochen Abschied von unserem Hund
genommen. Wir sind bei uns selbst an die Grenzen der Belastbarkeit
gestoßen, so kann und darf es nicht mehr weiter gehen.
Der
Hund kann allein fast nicht mehr fressen, man muß ihm jeden
Brocken in den Mund schieben.
Auch
jammert er immer wieder vor sich hin, auch nachts. Wir haben schon
einige Nächte deshalb nicht mehr geschlafen.
Jeden
Morgen hoffen wir darauf, daß er erlöst in seinem
Körbchen liegt.
Nach
schwerer Überwindung lassen wir uns bei unserem Tierarzt einen
Termin geben.
Im
Wartezimmer sind viele andere Menschen mit ihren Tieren. Das Warten
geht an die Grenze der Belastbarkeit. Eine Frau ist dort und
drückt ihr Tier an sich, sie fragt und als sie hört, was mit
unserem Hund los ist, bricht sie in Tränen aus und auch wir
können uns nicht mehr beherrschen.
Im
Behandlungszimmer ermutigt uns der Arzt zu diesem Schritt, es ist eine
Erlösung für unseren Hund und das müssen wir dem Tier
gönnen.
Nach der Betäubungsspritze werden die
Formalitäten erfüllt. Ein letztes Streicheln und
tränenreiches Abschiednehmen. – Es tut so entsetzlich weh!!! –
Der
Tierarzt versichert uns, daß unser Seppl keine Schmerzen haben
wird, wir glauben ihm und wir dürfen Gott sei Dank vorher gehen.
Zu
Hause angekommen brauchen wir kein Abendessen mehr. Die darauffolgende
Nacht schlafen wir auch nicht besonders gut.
Es
dauert noch Tage und länger bis wir begreifen – wir sind allein.
Um den
Platz, wo er mit seiner Decke lag, machen wir noch längere Zeit
einen Bogen. Es ist in uns einprogrammiert: aufpassen, daß wir
ihn nicht treten.
Decke,
Hundeleine, Freßnapf und den Korb haben wir sofort verschwinden
lassen, um schneller über den Verlust hinweg zu kommen.
Es war
eine lange Zeit, in einem Vierteljahr wäre er 18 Jahre alt
geworden.
Mittlerweile
haben wir uns damit abgefunden, zumal wir wissen, daß es die
einzige und beste Lösung war.
Ein Tier wollen wir nicht mehr aufnehmen. Solange ein Hund
jung und fit ist, ist es ja kein Problem, aber das älter werden
und das Abschied nehmen wollen wir uns ein drittes Mal ersparen. Diesen
Schmerz wollen wir uns nicht mehr zumuten.
*******
Unser Freund
Ausgesetzt haben wir ihn aufgelesen,
18 Jahre ist er unser Freund gewesen.
Wir liebten ihn so sehr,
jetzt lebt er nicht mehr.
Mit Liebe und Treue hat er uns beschenkt,
Haus und Hof hat er bewacht,
weite Urlaubstouren mit uns gemacht.
Viele Streiche hat er ausgeheckt,
uns morgens oft schon früh geweckt.
Als er dann älter wurde und alt,
hat es uns erwischt ganz „kalt“.
Ans Abschiednehmen ging es dann,
ob er wohl ruhig einschlafen kann?
Aber dies war vergönnt uns nicht,
uns fast das Herz dabei zerbricht.
So viele gemeinsame Jahre sind vergangen,
es ist, als ob ein Kind von uns gegangen.
Aber nur, wer sein Tier liebt,
weiß, dass es diese Trauer gibt.
Juli 2003
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Urlaubszeit,
wieder ist’s soweit!
Angebunden habt ihr mich mit meiner Leine
Es ist Euch egal ob ich leide oder weine!
Immer hab ich Euch bewacht,
bei Tag und auch bei Nacht!
Oft hab ich Eure Zuneigung vermissen
und manche Launen ertragen müssen.
Ich war Euch immer treu ergeben,
in meinem bisherigen Leben.
Niemals hätte ich Euch verraten,
auch nicht an schlechten Tagen.
Einen Urlaub hattet ihr Euch vorgenommen,
wie gerne wäre ich doch mit gekommen.
Was hätte ich mich gefreut,
auf diese schöne Zeit.
Auch dort hätte ich Euch bewacht
Und mit meiner Treue bedacht.
Ihr meintet, das hat doch keinen Sinn
und dass ich dort nur lästig bin.
Mit Eurer Liebe war ganz plötzlich Schluss,
beschlossene Sache, dass ich da bleiben muss.
Nie würde ich Euch lassen im Stich,
und wenn’s mein Leben koste mich!
Traurig und zutiefst enttäuscht ihr mich seht,
einen Hund, der die Welt nicht mehr versteht.
Diese Lieblosigkeit tut so weh,
