Liebeskummergedichte

 


 

Zu spät

Die Zeit ist vorbei und kehrt niemehr zurück.
Langsam merkt man sein vergangenes Glück.
Die Zeit ist vorbei, man kann nichts machen.
Nicht denken, nicht schlafen, nicht lachen.
Es ist sinnlos, wenn man tausende
Tränen vergießt.
Denn man merkt meistens zu spät, wie sehr man einen Menschen
liebt!!!

 

Nacht ohne Schlaf...

Ich weiß, daß du jetzt wachst in deiner Nacht,
So wie ich schlaflos wache in der meinen.
Der gleiche Mond, der mich so kühl verlacht,
Wird wohl auch jetzt dir Ruhelosem scheinen.

Ich weiß, das Leid, das ich dir nicht geklagt,
Wird mir im stillen Vers zur Ruhe gehen.
So mag dein Weh, das du mir nicht gesagt,
Dich tröstend wie ein Morgenwind umwehen.

(Mascha Kaléko) 

Erinnerung

Hab' ich mich nicht losgerissen,
Nicht mein Herz von ihr gewandt,
Weil ich sie verachten müssen,
Weil ich wertlos sie erkannt?

Warum steht in holdem Bangen
Sie denn immer noch vor mir?
Woher dieses Glutverlangen,
Das mich jetzt noch zieht zu ihr?

Tausend alte Bilder kommen,
Ach! und jedes, jedes spricht:
Ist der Pfeil auch weggenommen,
Ist's darum die Wunde nicht.

(Franz Grillparzer)

 

 
Über die Heide


Über die Heide hallet mein Schritt,
Dumpf aus der Erde wandert es mit.

Herbst ist gekommen, Frühling ist weit -
Gab es denn einmal selige Zeit?

Brauende Nebel geisten umher,
Schwarz ist das Kraut und der Himmel so leer.

Wär ich hier nur nicht gegangen im Mai!
Leben und Liebe - wie flog es vorbei!

(Theodor Storm)

 


Du sprichst, dass ich mich täuschte...


Du sprichst, daß ich mich täuschte,
Beschworst es hoch und hehr,
Ich weiß ja doch, du liebtest,
Allein du liebst nicht mehr!

Dein schönes Auge brannte,
Die Küsse brannten sehr,
Du liebtest mich, bekenn es,
Allein du liebst nicht mehr!

Ich zähle nicht auf neue,
Getreue Wiederkehr.
Gesteh nur, daß du liebtest,
Und liebe mich nicht mehr!

(August Wilhelm von Platen)

 



Das zerbrochene Ringlein

In einem kühlen Grunde

Da geht ein Mühlenrad,

Mein' Liebste ist verschwunden,

Die dort gewohnet hat.

Ich möcht als Spielmann reisen

Weit in die Welt hinaus

Und singen meine Weisen

Und gehn von Haus zu Haus.

 

Sie hat mir Treu versprochen,

Gab mir ein'n Ring dabei,

Sie hat die Treu gebrochen,

Mein Ringlein sprang entzwei.

 

Ich möcht als Reiter fliegen

Wohl in die blutge Schlacht,

Um stille Feuer liegen

Im Feld bei dunkler Nacht.

 

 

Hör ich das Mühlrad gehen:

Ich weiß nicht, was ich will - 

Ich möcht am liebsten sterben,

Da wär's auf einmal still!


 



Das verlassene Mägdlein

Früh, wann die Hähne krähn,

Eh die Sternlein verschwinden,

Muß ich am Herde stehn,

Muß Feuer zünden.

Plötzlich, da kommt es mir,

Treuloser Knabe,

Daß ich die Nacht von dir

Geträumet habe.

 

Schön ist der Flammen Schein, 

Es springen die Funken;

Ich schaue so drein,

In Leid versunken.

 

Träne auf Träne dann

Stürzet hernieder;

So kommt der Tag heran - 

O ging' er wieder!

(Eduard Mörike)

 



Liebe

 

Ein Jüngling liebt ein Mädchen,

Dies hat einen andern erwählt;

Der andre liebt eine andre,

Und hat sich mit dieser vermählt.

 

Das Mädchen heiratet aus Ärger

Den ersten besten Mann,

Der ihr in den Weg gelaufen;

Der Jüngling ist übel dran.

 

Es ist eine alte Geschichte,

Doch bleibt sie immer neu;

Und wem sie just passieret,

Dem bricht das Herz entzwei.

 

(Heinrich Heine)



Sachliche Romance

Als sie einander acht Jahre kannten

und man darf sagen: sie kannten sich gut,

kam ihre Liebe plötzlich abhanden.

Wie andern Leuten ein Stock oder Hut.

 

Sie waren traurig, betrugen sich heiter,

versuchten Küsse, als ob nichts sei,

und sahen sich an und wußten nicht weiter.

Da weinte sie schließlich. Und er stand dabei.

 

Vom Fenster aus konnte man Schiffen winken,

Er sagte es wäre schon Viertel nach Vier

und Zeit, irgendwo Kaffee zu trinken.

Nebenan übte ein Mensch Klavier.

 

Sie gingen ins kleinste Cafe am Ort

und rührten in ihren Tassen.

Am Abend saßen sie immer noch dort.

Sie saßen allein, und sie sprachen kein Wort

und konnten es einfach nicht fassen.

 

(Erich Kästner)

 

Ohne Titel

War sie meine liebste Gestalt,
Die mich der Sorge enthob
ein Mann zu sein.
Und ich sehe sie und ich verliere sie
und ich ertrage
Mein Leid, wie ein bisschen Sonne
im kalten Wasser.

(Paul Eluard)