Eine Liebesgeschichte
Ewigkeit
Dunkelheit
sie ist allein
alles um sie her
ist dunkel und leer
um nicht länger
allein zu sein
gebiert die Finsternis
aus sich heraus
das Licht

Ein kleiner Punkt nur
klitzeklein
leuchtet in die Finsternis
hinein.

Ein silbernes Leuchten,
meilenweit zu sehen,
sieht man es als kleinen Punkt
in der riesigen Dunkelheit stehen.

Größer wird’s und immer heller,
schneller und schneller
wird es strahlend und schön
und ist bald in vollem Glanze zu sehn.

Geblendet fast
von dieser Pracht
verliebt sich die Nacht
in ihren eigenen Sohn -
er ist so schön.

In seinem Glanze
sonnt sie sich,
seine Strahlen
machen sie
glücklich.

Und er?
Wie ein Krieger
zieht er seine Bahn
und lacht und strahlt
die Mutter an.

Gemeinsam
schaffen sie den Tag,
zur Hälfte Tag,
zur Hälfte Nacht.
Die Dunkelheit regiert die Nacht,
die Helligkeit beherrscht den Tag.
Doch Leben kann auch weiterhin
nur in der Nacht entstehn.
So lebten sie
in Glück und Frieden,
aber leider ist es
so nicht lang geblieben.

Das Licht erkannte bald,
wie es die Nacht erhellt,
wie das Dunkle weicht
in seinem Schein.

Da fragt‘ es sich:
"Dunkelheit?
Muß das sein?
Ich habe die Macht,
die Nacht
zu erhellen.
Da kann ich
doch das Dunkle
gleich ganz
vergällen."

Gesagt - getan,
das Licht ging an
mit Kerzen, Strom
und allem,
was sich finden ließ
und Licht
in die Dunkelheit
ausgießt.

So hat nun das Licht
die Macht allein
und sonnt sich selbst
in seinem Schein,
bescheint sogar
den dunklen Mond,
in dem die
Schwarze Göttin wohnt.
(
Sabine Gabriel)
 


 


Vereinsamt

Die Krähen schrein
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnein, -
Wohl dem, der jetzt noch - Heimat hat!

Nun stehst du starr,
Schaust rückwärts, ach! wie lange schon!
Was bist du Narr
Vor Winters in die Welt entflohn?

Die Welt - ein Tor
Zu tausend Wüsten stumm und kalt!
Wer das verlor,
Was du verlorst, macht nirgends Halt.

Nun stehst du bleich,
Zur Winter-Wanderschaft verflucht,
Dem Rauche gleich,
Der stets nach kältern Himmeln sucht.

Flieg, Vogel, schnarr
Dein Lied im Wüstenvogel-Ton! -
Versteck, du Narr,
Dein blutend Herz in Eis und Hohn!

Die Krähen schrein
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schein, -
Weh dem, der keine Heimat hat!







An die Geliebte

Wenn ich, von deinem Anschaun tief gestillt,
Mich stumm an deinem heilgen Wert vergnüge,
dann hör ich recht die leisen Atemzüge
Des Engels, welcher sich in dir verhüllt.

Und ein erstaunt, ein fragend Lächeln quillt
Auf meinen Mund, ob mich kein Traum betrüge,
Daß nun in dir, zu ewiger Genüge,
Mein kühnster Wunsch, mein einzger, sich erfüllt?

Von Tiefe dann zu Tiefen stürzt mein Sinn,
Ich höre aus der Gottheit nächtger Ferne
Die Quellen des Geschicks melodisch rauschen.

Betäubt kehr ich den Blick nach oben hin,
Zum Himmel auf - da lächeln alle Sterne;
Ich kniee, ihrem Lichtgesang zu lauschen.






                   


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